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Bildhauer Zereteli will sich mit Museum in Petersburg ein Denkmal setzen

Von   /  25. Juli 2012  /  1 Kommentar

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TOPTICKER.- Erst beglückte er Petersburg mit seinen monumentalen Skulpturen, jetzt will er sich mit einem Museum für zeitgenössische Kunst verewigen. Der Moskauer „Hofkünstler“ und Präsident der Russischen Akademie der Künste Surab Zereteli betreibt den Bau eines Museums auf der Wassili-Insel – und wird von der Stadtregierung unterstützt.


Das Projekt soll im Liteiny Dwor der Repin-Kunstakademie an der 4. Linie (Nr.1-3) auf der Wassili-Insel realisiert werden. Laut der Zeitung „Kommersant“ ist man bereits daran, den Trakt vom Staatseigentum an die Stadt St. Petersburg zu übertragen. Auch die Akademie hat bereits grünes Licht gegeben – ihr Präsident Surab Zereteli höchstpersönlich leitet das Unternehmen, für das auch schon Sponsoren gefunden worden sind. Da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, wird angenommen, dass es abgerissen wird und einem Neubau Platz machen wird.

Auf rund 10.000 Quadratmetern und sechs Etagen soll Zeitgenössisches gezeigt werden. Dass Zereteli das neue Museum nach bewährtem Moskauer Muster auch mit einer Reihe seiner protzigen Bronzestatuen garnieren wird, versteht sich von selbst. Die Akademie verfügt zwar über ein eigenes Museum, doch ist die Ausstellungsfläche dort sehr beschränkt. Dass es in St. Petersburg an Ausstellungsfläche für zeitgenössische Kunst fehlt, ist nichts Neues.

Dem Museum fällt Studentenheim zum Opfer

Zwar bieten die Eremitage, das Russische Museum, das Städtische Skulpturenmuseum und die Manege immer wieder Raum für zeitgenössisches Schaffen, doch herrscht noch immer „Platzmangel“ für diese Sparte. Immerhin sind in den letzten Jahren das „Erarta“-Museum und das „Novi Musei“, zwei private Museen auf der Wassili-Insel hinzugekommen, und auch der neue Trakt der Eremitage im Generalstab soll eine Bühne für Zeitgenössisches sein.

Kritiker meinen, neue Museen sollten nicht nur im verkehrstechnisch und touristisch überlasteten Stadtzentrum gegründet werden. Ausserdem befindet sich in dem vorgesehenen Gebäude bis heute das Studentenheim der Akademie für das laut Neva24.ru bis heute keine Ersatzlösung gefunden worden ist. Auch zweifeln gewisse Fachleute an der Rechtmässigkeit eines Abrisses, da in diesem Bereich des historischen Zentrum im Prinzip nur baufällige Gebäude beseitigt werden dürfen.

Petersburg bald „Zereteli-City“?

Angesichts der tatkräftigen Unterstützung der Stadt dürfte sich Zereteli jedoch in dieser Angelegenheit durchsetzen und sich ein weiteres Denkmal in St. Petersburg setzen. In Moskau wurden auf seine Initiative bereits drei Museen eröffnet. Als Protégé von Putin und dem früheren Bürgermeister Luschkow konnte der sowjetische Monumentalkünstler der Hauptstadt mit seinem höchst umstrittenen Riesendenkmal Peters des Grossen am Ufer der Moskwa einen unübersehbaren Stempel aufdrücken.

Scheinbar kommt nun Petersburg an die Reihe – lange genug hatte sich die Kulturhauptstadt dagegen gesträubt. Schon 2005 beglückte Zereteli die Stadt mit einer 8 Meter hohen Bronzestatue ihres Gründers, die er nach einer Ausstellung in der Manege einfach im Freien stehen liess – ein Geschenk, das niemand wollte.

Seinem Vorschlag, den „Bronze-Peter“ an prominenter Stelle im Zentrum zu platzieren, wurde nach Protesten der Kulturlobby und Teilen der Bevölkerung nicht Folge geleistet. Nach langem Rätseln verbannte man das Standbild schliesslich weit weg vor das Hotel „Pribaltiiskaja“ auf der Wassili Insel. Wie die Stadt diesmal dem Versuch entgehen wird, zu „Zereteli-City“ gemacht zu werden, ist noch offen. (eva)

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold/Archiv

www.kommersant.ru

www.neva24.ru

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Zeretelis Peter der Grosse ist “persona non grata” in Petersburg

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Gott bewahre uns vor diesem Zeretelli.

    Nachdem sein Foerderer und Goenner in Moskau, der vormalige Buergermeister Juri Luschkow samt Gattin wg. allzu dicker Vetternwirtschaft die Posten raumten sucht er nun in St. Petersbrg ein neues Feld das er mit seinen unsäglichen Bronzen zustellen kann.

    Besser die Stadt hilft nicht dabei.

    Aber wie war das nochmal mit der Kulturfoerderung in Russland ?
    Ach so gibts nicht! Geld bekommen nur die Grossen Namen (Gergiev, Zeretelli), die das dann in Gutsherrenmanier an Ihre Entourage weitereichen – Neue oder unabhängige Kunst kommt so nicht zustande.

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