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Banken-Absurd: Sberbank bringt sich durch Automatenzwang in Monopolstellung

Von   /  17. April 2012  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Das Schlangestehen auf der staatlichen Sberbank, um Rechnungen für Unterhaltskosten, Steuern, Gas, Wasser und Elektrizität einzuzahlen, ist seit je her berüchtigt. Nun stehen in jeder Filiale Nummern-Automaten, welche die Warteschlange regeln – aber gleichzeitig werden am Schalter keine Rechnungen mehr entgegen genommen.

Das erklärt mir die Angestellte, als ich mit meinem Nummernzettel drankomme. Auch meine Erklärung, ich wüsste nicht, wie der Automat funktioniere, hilft nichts. Sie komme zum Automaten und würde mit mir die Rechnungen einzahlen, meint sie und steht auf. Sie beginnt auf dem Touchscreen zu tippen, und da fällt mir ein, dass ich die Einzahlungssumme nicht genau bei mir habe und der Automat kein Wechselgeld gibt.

„Ich werde am Schalter für Sie wechseln“, beruhigt sie mich und tippt weiter. Der Strichcode für die Unterhaltskosten meiner Wohnung wird unter das Lesegerät gehalten. Doch bevor sie zahlen kann, muss sie zu ihrer Kollegin an den Schalter, um zu wechseln.

Als die Telefonrechnung an der Reihe ist, will ich ihr das Wechselritual ersparen und beschliesse etwas mehr einzubezahlen – dank einer Zehnrubelnote, die ich im Portemonnaie finde. „Diese werden bald aus dem Verkehr gezogen“, sagt die Beamtin als sie die Note in den Automaten schiebt. Tatsächlich ist mir aufgefallen, dass man kaum mehr Zehnernoten antrifft und stattdessen immer mehr Zehnermünzen in der Geldbörse hat.

Endloses Nummerntippen

„Aber das heisst ja, dass man den genauen Betrag bald nicht mehr in den Automaten geben kann“, sie nickt nur kurz und fügt an: „Wenn Sie eine Karte der Sberbank besitzen, geht es ohne Probleme.“ Der Betrag ist geschluckt, und die letzte Rechnung ist an der Reihe. Die Transportsteuerrechnung – jetzt wird es kompliziert, denn zweimal muss ich ihr eine mindestens zwölfstellige Kennzahl durchdiktieren und meinen Namen eingeben. Nun sind wir sicher schon bald eine Viertelstunde dran – eine grossartige Rationalisierungsmassnahme! Am Schalter wäre die Sache schon längst gelaufen.

Als wir durch sind, frage ich scheu, ob man diese Rechnungen vielleicht noch anderswo bezahlen kann oder mit einer anderen Bankkarte, was sie mit einem bedauernden „Nein“ beantwortet und hinter den Schalter verschwindet. Die Antwort auf meine letzte Frage kann ich mir selber geben: Wer seine Rechnungen bezahlen will, muss früher oder später ein Konto bei der Sberbank eröffnen. Sowas nennt man anderswo Monopolisierung.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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