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Bald bekommt die Kirche der „Mariä Heimsuchung“ ihren Turm zurück

Von   /  3. Oktober 2016  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Die katholische Kirche der „Mariä Heimsuchung“ in St. Petersburg wird seit diesem Sommer renoviert – ein Wunder für Pfarrer Richard Stark und seine Gemeinde, die sich seit Jahrzehnten um die Wiederherstellung des Gotteshauses bemühen. Neben der Renovation erhielt die Gemeinde auch ein Haus für die Organisation „Mutter und Kind“ auf dem Kirchengelände.

Es ist bestimmt nicht übertrieben, von einem Wunder zu sprechen, dass die Mariä-Heimsuchungs-Kirche nach so vielen Jahren vergeblicher Mühe auf einen Schlag von Grund auf überholt wird. Schon fast zwei Jahrzehnte lang versuchte Stark den Bau des berühmten Petersburger Architekten Nikolai Benois, der während der Sowjetzeit zum Forschungsinstitut umfunktioniert worden war, vor dem Zerfall zu retten. Trotz kleiner Fortschritte, musste man sich damit zufrieden geben, dass sich der Zustand der Kirche nicht weiter verschlechterte und man darin Gottesdienst abhalten konnte.

Neben dem jämmerlichen Zustand des Baus hatte man lange Zeit weder Strom, noch Gas und keine Kanalisation. Für alles fehlten entweder Geld oder Genehmigungen. Jetzt gibt es plötzlich alles – Richard Stark ist überglücklich dies ein Jahr vor seiner Pensionierung noch zu erleben. Wie aus heiterem Himmel bewilligte die Stadt 117 Millionen Rubel (knapp zwei Millionen Euro), und das trotz tiefster Krise.

Ein Zeichen des Himmel, aber nicht nur

Ein Zeichen des Himmels? Sicher, andererseits darf man vermuten, dass der Grossmeister des Malteserordens, dem Richard Starks Steyeler Missionare unterstehen, bei seiner letztjährigen Visite in St. Petersburg ein gutes Wort beim Gouverneur eingelegt haben dürfte. Der Malteserorden geniesst dank der Rolle von Zar Pawel I. als Schutzherr und Ordensmitglied, noch heute grosses Ansehen.

Die Arbeiten sind in vollem Gang – Fassade und Dach sind eingerüstet. Bald soll die Kirche wieder in ihrem neuromanischen Stil, in dem sie nach den Plänen von Nikolai Benois in den Jahren 1877-79 errichtet worden war. Dazu gehört auch der Glockenturm, der 1945 seine Spitze verlor. Schon steht unweit der Kirche unter einer Holzverschalung eine neue Turmspitze bereit, die demnächst aufgesetzt werden soll.

Organisation „Mutter und Kind“ hat ein neues Zuhause

Der Dachstuhl wurde komplett erneuert, und auch das Dach aus Metall darüber wird neu verlegt. Die Arbeiten werden von der Firma „Lenprojektrestavrazia“ unter der Leitung von Andrei Gutschin durchgeführt. Die Aussenarbeiten sollen im November abgeschlossen werden, doch auch das Innere soll renoviert werden, darin eingeschlossen die Krypta, wo der Architekt Benois begraben liegt. Das grösste Problem ist die Feuchtigkeit im Untergrund, die durch die Beschädigung des komplizierten Drainagesystem entstanden ist.

Auch auf dem Gelände um die Kirche, wo einst ein grosser Friedhof mit hunderten von Gräbern existierte, ist vieles in Bewegung. Unter anderem wurde im Juli dieses Jahres das Haus für die Organisation „Mutter und Kind“ eingeweiht. Früher musste die Organisation für teures Geld ein Lokal mieten, jetzt ist sie unmittelbar auf dem Gelände der Kirche untergebracht. Vor dem Haus haben zwei Väter von Grossfamilien einen kleinen Spielplatz aufgebaut, Rasen wurde angesät.Die Organisation betreut schon seit vielen Jahren Mütter und Kinder bis zu zwei Jahren in schwierigen sozialen Umständen. Ungeachtet der Herkunft und des Glaubens erhalten Bedürftige medizinische, psychologische und materielle Unterstützung.

Hilfe für „gestrandete“ Mütter

Wie die Projektleiterin Olga Kotschetkowa erklärt, finden oft Mütter aus der russischen Provinz oder aus dem Ausland, die ohne Wohnsitz oder Dokumente in der Stadt gestrandet sind, Unterschlupf bei der Organisation. Dabei leistet man auch psychologische Betreuung vor der Geburt. Laut Kotschetkowa wolle man Abtreibungen wenn möglich vermeiden, man übe jedoch keinen Druck auf die werdenden Mütter aus.

Ebenso ist sie für die Beibehaltung der „Baby-Box“, deren Abschaffung eine neue Gesetzesvorlage verlangt, die momentan in der Regierung diskutiert wird. Es sei eine gute Einrichtung, die verhindere, dass Neugeborene einfach auf den Müllhaufen geworfen oder im Freien zurückgelassen würden, wo sie verhungern oder erfrieren würden. Leider gäbe es in Russland erst viel zu wenige solcher Boxen. Gerne nimmt das kleine Hilfswerk jegliche Unterstützung in materieller oder ideeller Form an (Kontakt siehe unten).

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Petersbürger: Stark gefragt. Pfarrer sein in Petersburg

www.visitmaria.ru

www.helfenleben.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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