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Axel Hacke – der „Erziehungsberater der deutschen Nation“ in Russland

Von   /  13. Dezember 2013  /  Keine Kommentare

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Von Eugen von Arb

Axel Hackes Bestseller „Der kleine Erziehungsberater, Geschichten aus dem Alltagsleben einer Familie mit drei kleinen Kindern“ ist ins Russische übersetzt worden. Der Autor kam persönlich nach St. Petersburg und stellte in der Majakowski-Bibliothek sein lustiges Buch einem entzückten Publikum vor (Fotogalerie).

Der erhobene Zeigefinger und die herausgestreckte Zunge auf dem Umschlagsbild von Michael Sowa sind stets wiederkehrende Wahrzeichen der Kindererziehung. Gerade in der russischen Gesellschaft, die oft noch etwas verstaubte Vorstellungen von Autorität und Erziehung pflegt, die aber ebenso gerne lacht, muss dieses Buch Furore machen. Die Hauptdarsteller sind immer dieselben – Axel Hacke als Vater, Antje die Mutter, und drei Kinder Anne, Max, Marie.

Bereits nach den ersten Zeilen schmunzelte und lachte der ganze Saal in der Majakowksi-Bibliothek, und dank der Einblendung der russischen Übersetzung kamen Hackes fidele Familiengeschichten in ihrer vollen Sprachenpracht beim russischsprachigen Publikum an. Kaum war die erste der drei- bis vierseitigen Geschichte gelesen, kam schon die nächste an die Reihe – man konnte sich nicht satt hören.

„Max rülpst“ schildert in ganzer Frische einer jener Momente im Erziehungsprozess, in denen Eltern ihre totale Ohnmacht gegenüber kindlichem Eigensinn begreifen. Alles wird aufgeboten, um dem Jungen von dieser Peinlichkeit abzubringen: sanften Zureden, Ignorieren und schliesslich strikter Tadel und Zimmerarrest. Und nicht mal das hilft, weil das Kind nämlich selber nicht ganz begreift, wenn es tut, was es tut, nämlich rülpsen. Dann bleibt den Eltern nur der beschwörende Blick an die Decke.

Als er mit der Kolumnenreihe für die Süddeutsche Zeitung begonnen habe, habe er gedacht, nur er habe diese Probleme, erklärte Hacke. Aber die vielen Zuschriften hätten ihm bewusst gemacht, wie vielen Eltern es ähnlich ergehe. Sie seien verunsichert und verkrampft und suchten Hilfe bei Erziehungsberatern, obwohl es in Wirklichkeit kein Richtig und kein Falsch gebe und jedes Kind einzigartig sei.

Kindheit bedeutet Fragen. Fragen jeder Art und massenweise, manchmal immer dieselbe, auf die man sich als Vater oder Mutter stets neue Antworten einfallen lassen muss. Von einer Frage, die besonders nervt, erzählte Hacke in einer anderen Geschichte – sie lautet: „Wann sind wir endlich da?“

Drei Kinder, die während einer langen Fahrt nach Sardinien in regelmässigen Abständen nachfragen, beziehungsweise nachbohren, kosten ganz schön Nerven. Als die Abstände immer kleiner werden und sämtliche Märchenkassetten, Spielzeuge und Beschwichtigungen nichts mehr helfen, flieht der gepeinigte Familienvater selbst in ein Märchen. Er träumt davon, wie sein Auto plötzlich Flügel bekommt und über das Meer schwebt.

Oft ist Erziehung eine Frage der Organisation – die einfachsten Dinge wollen gut geplant sein. Aber sogar das kann einen nicht immer vor einem Fiasko bewahren. Das muss Hacke beim Gang zum Bäcker um die Ecke am Sonntagmorgen erfahren. Er will bloss kurz weg, um frische Semmeln zu holen – da hängen die Kleinen schon wie Kletten an ihm dran.

Die Diskussion darüber, wer in welchen Schuhen und welcher Kleidung mitkommen darf oder will, artet bald in lautstarkes Gezänke aus, das von der gesamten Nachbarschaft mitverfolgt wird, und einem jeden Appetit auf das Frühstück austreibt. In solchen Momenten wird Erziehung zum Kampf, oder zumindest zum erschöpfenden Freundschaftsspiel – drei gegen zwei, das ist nicht immer leicht.

Aber das ist alles schon lange her: 1990 erschien das Buch, führte monatelang die Bestsellerlisten an und wurde in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt. Als es erschienen sei, habe er befürchtet, seine Kinder würden ihm einmal Vorwürfe machen, weil er sich alle mit ihren richtigen Namen benannt habe. Doch im Gegenteil – heute, wo alle drei Kinder erwachsen seien, werde das Buch von allen wie ein Familienalbum geschätzt.

Sowohl Darina Jakunina, Leiterin des Poljandria wie auch die Übersetzerin Galina Sneschinskaja zeigten sich begeistert über Hackes Buch und lobten seine lebendige und poetische Sprache. Dank diesem Buch sei ihr bewusst geworden, wie viele Situationen im Familienleben eigentlich nur mit Humor zu bewältigen seien, meinte Jakunina.

Axel Hacke hat eine ganze Reihe anderer Bücher geschrieben, aber noch keinen Roman. Er träume schon lange davon, einmal einen grossen Roman zu schreiben, erklärte er schmunzelnd. Aber jedes Mal, wenn er damit beginne, würden wieder lauter Kurzgeschichten daraus.

So muss Axel Hacke weiter auf die Rückkehr des „schönen Gedankens“  warten, den er im Vorwort seines Erziehungsberaters wegschickt hat: „Ich bin ein schöner Gedanke“, sagte der schöne Gedanke, „Sie brauchen mich für den Roman“. „So schön sind Sie auch nicht“, sagte ich, „kommen Sie morgen!“ „Püh!“, machte der schöne Gedanke, „das hab‘ ich nicht nötig. Warum haben Sie so viele Kinder! Schreiben Sie über die!“

Bilder: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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