Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Auswandern nach Russland

Von   /  1. Mai 2011  /  2 Kommentare

    Drucken       Email

mm – Russland als Auswanderungsland ist beliebt.
Bislang haben ExSowjetbürger den Löwenanteil ausgemacht. Menschen, welche noch in der Sowjetunion aufgewachsen sind, oder sich nach der Übersiedlung mit der neuen Heimat nicht richtig anfreunden konnten und zurück streben.

Doch zunehmend erreichen uns auch ernstzunehmende Anfragen von Menschen, welche kein Vorgeschichte mit dem „Auswanderungsland Russland“ verbindet. Was zuerst wie eine Idee von Wahnsinnigen aussieht, macht für uns „hier Lebende“ natürlich Sinn.

Schliesslich wohnten in St. Petersburg am Vorabend des 1. Weltkriegs, vor gut 100 Jahren, über 50 Tausend deutschsprachige Migranten in St. Petersburg. Allen Krisen zum Trotz, wächst die immer noch sehr kleine Gemeinde von Deutschen, Östereichern und Schweizern der Stadt wieder langsam an.

Als Starthilfe und Leserservice veröffentlicht der Sankt Petersburger Herold am heutigen 1 Mai ein kleines „Einstieg in den Austieg nach Russland“ -Kompendium.

Gründe hier herzukommen ? Eine subjektive Liste

* 13,5% Einkommensteuer – wird auch im beliebten Kanton Zug in der Schweiz nicht unterboten und gilt russlandweit, also zwischen Finnland und Nordkorea.

* Eine dynamische Wirtschaft ermöglicht geradezu amerikanische Erfolgsstories, eine garantie gebe ich aber nicht darauf:)

* Ein wesentlich höherer „gefühlter Grad“ an persönlicher Freiheit“
(ja wers nicht glaubt kommt doch bitte mal vorbei)

* Metropolen mit der Einwohnerzahl von kleineren Staaten und

* Entsprechend Dichte an eigener Kultur und Kommerz,
und wer es nicht so Dicht mag

* drumherum mehr Platz „als mann essen kann“

* Viele Menschen verlieben sich nicht nur in die Stadt und das Land sondern finden auch Ihren Lebenspartner

* schreiben sie uns Ihre Gründe als Kommentar !

Die Liste der Nachteile überlassen wir den Kommentatoren in Deutschland, die kennen sich mit unseren negativen Verhältnissen viel besser aus und werden nicht müde das zu publizieren.

Stellvertretend für viele negtive Gründe
Ein Moloch aber flexibel – „die Bürokratie“

* Russland hat eine wahrlich irre, aber manchmal flexible Bürokratie. Die harten Gesetze und Vorschriften sind ein Paragraphenspagetti, der vermutlich seit der Einführung des Rechtssystems nicht verbessert wurde.

Auf der persönlicher Ebene und wegen der offensichtlichen, praktischen Unanwendbarkeiten gibt es dann doch immer überraschende Lösungen. Wo das nicht der Fall ist, verzweifelt der Mensch. Oft aber nicht lange, da er meist nicht alleine vor dem Kafkaschen Schloss sitzt und wartet. Ärgern sich genügen Mitmenschen, dann gibts einen Rüffel in der Presse, der dann meist auch zu Verbesserungen führt.
Hin und wieder gibt es sogar Richtig nette Behörden. Das Finanzamt z.B. wurde inzwischen so umgebaut, dass es eine Freude ist dort zu tun zu haben, eine positive Ausnahme.

Sind die deutsche und russische Bürokratie seelenverwandt?
Wegen der perversen Ähnlichkeit mit der deutschen Bürokratie kolportieren wir die Theorie, dass eine schlechtgelaunter Haufen, von wegen Übereifrigkeit entlassene Beamten, durch den Preussenkönig an Peter den Grossen ausgeliehen wurden (Zeitarbeiter?).  Die haben dann vor 300 Jahren den sebstgenügsamen bis unsinnigen Verwaltungsapparat aufgebaut den wir aus Deutschen Landen kennen (felix Helvetia dort ist’s noch nicht so schlimm).
Der Beitrag den die Hiesigen dazu leisteten: Sie haben die Bürokratie erweitert und unvoreingenommen verkompliziert, mit Stalins Kontrollwut aufgepeppt und dafür jeglichen Kundenservice im Keim erstickt. Dient der Beamtenapparat doch Hier wie in Deutschland dazu, moeglichst viele Menschen in Abhängigkeit der Staatsmacht zu beschäftigen. Das von der Staatsqoute abhängige (Beamten)volk wird zur Meinungsmache und Stimmenbasis in der Demokratie missbraucht, kurz es dient zusammen mit der staatsabhängigen „freien Wirtschaft“ dem Machterhalt. Diese Allianz der Unwilligen / Unfähigen lässt dass den Bürger natürlich spüren. Eingezwängt in ein enges Korsett von Vorschriften lässt der Apparat den Frust am Kunden ab. Effizienz ist eine Aussnahme weil das ja de-fakto weniger Beschäftigte bedeutet.

Folgende Fakten begünstigen die Erlangung einer Aufenthaltsgenehmigung.

In den letzten Jahren gabe es in Russland jede menge sog. „Verbesserungen für Ausländer“, welche defakto aber vielen Bürgern den Aufenthalt vermiesst haben.

Der Hintergrund ist, das Russland ähnlich wie die Schweiz die Fristen und Verfahren gem. dem diplomatischen „wie Du meine Bürger prügelst, so prügele ich deine Bauern“ an die EU Regeln angepasst hat.

Das die EU alles andere als Ausländerfreundlich ist bekommt mann dann ja alljährlich beim Visaanmelden auf den Konsulaten mit. Viel Ausgewanderten fürchten den Tag an dem Sie für Familie oder Geschäft in den konsularen Massregel-Vollzug eintreten müssen. Kurz die Schrecken der EU Behörden für Bürger der russländischen Föderation gleichen denen welchen wir hier entgegensehen müssen.

Um nach Russland auszuwandern braucht es also enormen Willen, jede Menge Papiere, ein bischen Geld und viel Zeit und nochmals viel Geduld sowie ein paar vorteilhafte Voraussetzungen, z.B.:

1. Ein Arbeitgeber der gewillt ist den Vorgang zu unterstützen –
alternativ ein Russischer Ehepartner

2. Ein Vermieter der den Stress mitmacht –
oder alternativ eine eigene Wohnung (das gilt als Allheilmittel gegen Bürokratie da viele Anträge mit Bestätigungen der Hausverwaltung eingegeben werden müssen.)

3. Ein nachgewiesenes Einkommen von ca. 172 € / 7000 Rubel (Jahr 2011) oder 344€ / 14000 Rubel bei verheirateten Antragsstellern (pro Monat).

Achtung, wer keine Arbeitserlaubniss hat, muss dass Einkommen auch nachweissen, obwohl er keiner Arbeit nachgehen darf ! (hic! siehe Nachteile / Bürokratie)

Das heisst entweder via Verwandte 1. Grades erhalten (d.h. z.B. von den Eltern in Deutschland) die ca. 2000€ pro Jahr „überweisen“, es kann auch eine Rente bezogen werden. Solche Zahlungen muessen dann, notariell beglaubigt und machmal apostulliert sein und meist am Ende noch versteuert werden. Alternativ koennen sie auch Ihren Unterhalt aus einer „nicht mit Arbeit in Russland“ erworbenen Einkommen bestreiten, d.h. z.B. als Dividende aus Firmenanteilen, Zinsen auf einem Festgeldkonto, Mieteinnahmen aus der 350m² Wohnung an der Twerskaya in Moskau oder ähnliches seltenes…:).

Also am Besten irgendwo fuer den Mindestlohn anheuern. Aber auch von Arbeitgeberseite gibts da meist Bedenken. Drohen doch schlimme Schikanen. Wer einen Ausländer offiziell beschäftigt wird mit netten Auflagen solange gequält bis er wieder aufgibt. Zitat einer anonym bleiben wollenden Buchhalterin „lieber 10 besoffene Russen als 1 Ausländer bei der Steuer und den Sozialkassen anmelden“.

4. Die üblichen Gründe fuer einen dauerhaften Aufenthalt sind Ehepartner oder Arbeit.
Alles andere verkompliziert den Vorgang unnoetig. Sudieren an einer Uni ist restriktiv gehandhabt, freie Berufe sind theoretisch möglich aber praktisch nicht umzusetzen, ein Kirchenamt(!) hat mann auch selten, ggf. gibts noch andere Bereiche, z.B. könnte eine potentielle Goldmedallie bei den olympischen Spielen den weg zum russischen 2. Pass erheblich Beschleunigen. Bitte teilen sie uns Ihre Erfahrungen mit.

5. Russisch verstehen und sprechen. Wer lange hier ist bemerkt das auch Russen nicht perfekt Russisch können. Das beruhigt, ändert aber nichts an der Tatsache das mann die Sprache intensiv erlernen sollte. Sie ist nicht so schwer wie es zu Beginn den Anschein hat und die Lehrer hier kennen die Probleme gut und irgendwann machts dann ja auch richtig Spass die Sprache zu beherrschen.

6. Private „Migrationsdienste“ sind mehrheitlich dazu da den ehem. Sowjetbürgern den Status zu erleichtern.
Für EU Bürger können die praktisch wenig bis gar nicht helfen (was nicht heisst das sie sich dafür gut bezahlen lassen). Teure Spezialanwälte zu beauftragen entfällt meist wegen der Kosten. Bleibt also nur der Weg, sich eigenständig vor Ort durch die Niederungen des UFMS / УФМС (Verwaltung der föderalen Migrationsdienste = Ausländeramt) zu kämpfen. Wer da wie in Deutschland Anweisungen und Anleitung in Fremdsprachen erwartet, hat sich verrechnet. Am besten eine Kamera mitnehmen und alle ausgehängten Anweisungen abfotografieren oder gleich einen Einheimischen mitbringen.

Abfolge
Stufe 1. Dokumente beischaffen (mindestens 2-3 Monate) bis zu einem Jahr.
Achtung manche Dokument sind  nur 3 Monate gültig die sollte mann dann kurz vor Abgabe stempeln lassen. Wer mit einem Touristenvisum einreist kann das Antragsverfahren nicht beginnen, aber Informationen einholen.

Stufe 2. Fegefeuer „wremenoe proshiwanije“
Diese  „Vorläufige, Zeitlich begrenzte Aufenthaltserlaubnis“ – kann von 1 Monat bis 3 Jahren ausgestellt werden und ist die Vorstufe zur finalen Aufenthaltsgenehmigung. Fuer die ersten 12 Monate der Gültigkeit kann es sein, dass zu Beginn der Frist sog. Aussreisevisa notwendig sind um nachzuweisen das der Antragsteller auch bitte mehr als 181 Tage im Land verweilt ist. Fuer diesen Status muessen am meisten Dokumente beigeschafft werden. Details können sie in der Abteilung „Service“ / „Recht“ / „Aufenthalt“ hier nachlesen. Vorteil der Vremenoje Prosheivanije – man kann ohne Visum sooft man will aus- und einreisen. (falls notwendig eine Aussreisevisume muss 2 Wochen vor Abreise beim FSM „OVIR“ beantragt werden).

Stufe 3. Vid na Schitelstwo = Aufenthaltsgenehmigung

Der Ausländerpass – der muss jedes Jahr bestätigt werden und das mit dem Einkommensnachweis. Vor Ablaufdatum ca. 9 Monate vorher die Verlängerung Beantragen. Beginnt mann später als 6 Monat vor Ablauf geht der ganze Prozess wieder von vorne los (Stufe 1).

Bei mir hat es bis zur Aushändigung der entgültigen Aufenthaltserlaubniss 3 Jahre gedauert. Wer es drauf anlegt der bekommt das auch schneller geregelt. Aber jede Minute kostet enorm viel mehr Energie und Geld, darum gleich mal vom heimatlichen Tempo auf „Ortzeit“ umschalten und den Dingen Ihren lauf lassen.

Wie gehts weiter ?

Nach der Aufenthaltsgenehmigung ist mann schon fast ein Mensch und wird gerne auch darauf hingewiesen „Mann könnte innerhalb von wenigen Jahren problemlos russischer Staatsbürger werden“.
Das kommt für viele nur in Frage wenn sie Ihren alten Pass behalten. Bis 2005 war das von Russischer Seite problemlos möglich. Im Zuge der Angleichung an EU „Verfahren“ und wegen der millionen Russen mit doppeltem Pass, deren Staatstragende funktion im Ausland angezweifelt wird, wurde das aber auch erwschwert. Deutsche kennen das Problem – offiziell gibts keine doppelte Staatsbürgerschaft, (auch wenn fast alle Russen die ich in Deutschland kenne mit dem RF-Pass einreisen). Mit Erlaubnis der durch die beiden Präsidialämter (D / RU) kannn mann dann doch eine doppelte Staatsbürgerschaft erhalten. Da dies jedoch auch abgelehnt werden kann liegts nicht in der Hand einer Höhren Macht sonder an dem Wohlwollen der bearbeitenden ? Beamten?. Auskunft gibt natürlich das Konsulat und das generic viagra from india Internet.

Mehr Details..

Zu Beginn der Neuauflage des St. Petersburger Herold haben wir eine Reihe von teils absurden und lustigen Blogbeiträgen zum Thema Auffenthalt publiziert. Diese entsprachen den damaligen Stand des Wissens und auch das sprachliche Niveau war noch rudimentär. Dennoch lohnt sich ein Blick in die Rubrik (Service – Recht – Aufenthalt) und die gesammelten Beitraege nachzulesen. Man bedenke das der Informationsstand jedes Beitrags gerade der aktuellen Stufe im Prozess entspricht und die Qualität der Fakten gegen Mitte / Ende besser wird.

Also meine lieben Freunde im geistig engeren Mitteleuropa! Genug gezögert auf ins gelobte Land !

    Drucken       Email

2 Kommentare

  1. mm sagt:

    Hallo Herr Sagan, ich habe Ihre Anfrage als Kleinanzeige eingestellt.
    Viel Erfolg!

  2. Andreas Sagan sagt:

    Hallo. Ich bin zur Zeit mit einem Business-Visa in Sankt-Petersburg und suche verzweifelt nach einem Job, da meine zukünftige Frau in Piter lebt und wir hier leben möchten. Leider fand ich bisher keine Menschen, die deutsch sprechen und mir irgendie helfen konnten bezüglich Informationen, wie im Artikel beschrieben. Theorie und Praxis sind ja bekanntlich 2 Dinge. Ich würde mich freuen, wenn sich Personen melden, mit denen ich sprechen kann und von denen ich Infos bekomme oder sogar Hilfe.
    Ich bin noch vorraussichtlich bis 30.6. in Piter und muss dann leider durch die 90/180 Tageregelung von meinem Visum wieder für 3 Monate nach Deutschland.
    Mobil 8 965 0071602
    Andreas

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Schwarzweisse Bilderspuren in eine unmenschliche Zeit

mehr…