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Ausstellungsprojekt zur Leningrader Blockade: „900 und etwa 26.000 Tage“

Von   /  5. Februar 2017  /  Keine Kommentare

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pd.- Die Blockade Leningrads zählt neben dem Holocaust zu den größten Verbrechen in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Die Belagerung der Stadt nahm den Zeitraum vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 ein, mehr als eine Million Menschen kamen ums Leben als Opfer des Völkermordes, der verbrecherischen Politik des Hitlerregimes, meist wegen extremer Unterernährung. In ihren Ausmaßen bleibt diese Tragödie nahezu unvorstellbar.

Wenn die Blockade Teil des kollektiven Gedächtnisses in der Sowjetunion und dem heutigen Russland geworden ist, so bleibt in Deutschland die tragische Erfahrung Leningrads nicht nur etwas “Unvorstellbares”, sondern auch wenig Bekanntes. Anders als für viele andere Opfergruppen des Nationalsozialismus gibt es in Deutschland kein Denkmal für die Hungertoten von Leningrad. Diese im öffentlichen Bewusstsein Deutschlands fehlende Erkenntnis bildete den Ausgangspunkt des Projekts “900 und etwa 26.000 Tage”.

2014 kamen junge Künstlerinnen und Künstler aus Hamburg, Moskau und St. Petersburg auf Einladung des Goethe-Instituts zusammen, um gemeinsam und unter Leitung ihrer Professoren Ludmila Belova (The PRO ARTE Foundation, St. Petersburg), Haim Sokol (The Rodchenko Art School, Moskau) und Michaela Melian (Hochschule für Bildende Künste, Hamburg) am historischen Ort in St. Petersburg zu recherchieren und über Möglichkeiten des künstlerischen Gedenkens zu reflektieren. Ergebnis ist eine Kunstausstellung, die zunächst im Hamburger Kunstverein gezeigt wurde und jetzt nach St. Petersburg kommt.

Wie kann an das Verbrechen erinnert werden?

Fragen, mit denen sich die Künstler befassten, waren z.B., ob es für Nachgeborene überhaupt möglich ist, sich eine so schreckliche massenhafte Vernichtung von Menschen vorzustellen? Mit welchen Mitteln kann an ein unfassbares Verbrechen erinnert werden? Auf welche Weise und in welcher Form können die Ereignisse der Vergangenheit vergegenwärtigt und somit Teil des kollektiven Gedächtnisses gemacht werden? In ihrem Buch “Der lange Schatten der Vergangenheit: Erinnerungskultur und Geschichtspolitik” betont die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann die aktuelle Bedeutung dieser Fragen: “Präsentationsprobleme sowie die damit zusammenhängenden ästhetischen und ethischen Entscheidungen stellen sich immer wieder und vor jeder Generation.”

Monumente der Erinnerung haben eine besondere Aufgabe, die historischen Ereignisse der Vergangenheit zu vergegenwärtigen und somit zur Schaffung kollektiver Selbstbilder beizutragen. In diesen Prozessen spielt die Kunst eine besondere Rolle: “Die Zukunft der Erinnerung wird von ihrer Fähigkeit zur Erneuerung abhängen. Gegen die stets drohende Engführung in sprachliche und bildliche Stereotypen werden besonders die Künste gebraucht, die in ihren verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten und Medien die historische Imagination durch prägnante Formen der Vergegenwärtigung von Vergangenheit erweitern.”

60 Jahre Städtepartnerschaft Hamburg-St. Petersburg

Die Ausstellung in St. Petersburg wird durch ein Rahmenprogramm der öffentlichen Führungen, u.a. mit einem Gespräch mit Michaela Melian zum Thema „Erinnerung und Kunst“ begleitet. 2017 ist das 60. Jahr der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und St. Petersburg, des ersten Abkommens zwischen einer westdeutschen und einer sowjetischen Stadt. Sogar in den Jahren des kalten Krieges wurden die Beziehungen aufrechterhalten.

In diesem Jahr kommt die Ausstellung nach St. Petersburg. Sie soll zum weiteren Kulturaustausch sowie der Festigung  des Andenkens an die gemeinsame Geschichte beitragen. “900 und etwa 26.000 Tage” ist ein Kooperationsprojekt, initiiert vom Goethe-Institut, entstanden in Zusammenarbeit  mit der Rodschenko Art School, Moskau, der PRO ARTE Foundation, St. Petersburg, der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg sowie dem Neuen Museum, St. Petersburg.

7. Februar – 5. März 2017.  
Eröffnung: 7. Februar 2017 19.00. Führungen (auf Russisch): 11., 18., 25. Februar, 4. März jeweils um 15.00. Diskussion zum Thema „Erinnerung und Kunst“ mit Michaela Melian (Deutsch und Russisch): Termin wird noch bekanntgegeben.

Neues Museum, 6. Linie der Vassiljewski Insel, 29. Tel. +7-812-323-50-90. www.novymuseum.ru
Weitere Informationen finden Sie unter: www.goethe.de/stpetersburg

Bild: Kerstin Behrendt

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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