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Aufenthalt Blog: Teil 7 „Botkinskaja“ im Irrgarten eines Krankenhaus

Von   /  12. September 2008  /  1 Kommentar

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mm.- Im berühmt, berüchtigten Irrgarten des Botkinskaya Krankenhaus.

Die vorhegehenden Teile finden sie hier.

Ziel Heute: Die notwendigen Gesundheitsbescheinigungen für den Aufenthalts-Antrag erhalten. In St. Petersburg werden die OVIR Zertifikate nur im Botkinskaya Krankenhaus ausgestellt. Das liegt in etwa der Mitte zwischen Moskauer Bahnhof und dem Alexander Nevskij Kloster. Die Anfahrt erfolgt über die Metro „Platz Alexander Nevski“ / „Площадь Александра Невского“.

Dann durch die „Uliza Teleschnaja“ wie im Bild beschrieben zur Uliza Mirgorodskja 3/4, dem Haupeingang des Krankenhaus Komplex.(Zum vergrössern in das Bild anklicken)

Der schlechter Ruf bestätigt sich nicht für die Antragsteller, wohl aber für manch Anderen.

Die Klinik ist auf viele kleine Baracken, 2 Etagen Häuser, und ein paar moderenere Hochbauten verteilt. Das ganze, ist mit Ausnahme der für uns „OVIR Antragsteller“ notwendigen Abteilungen, eher in sehr schlechtem baulichen Zusstand und nur punktuell gut renoviert. Es hat Schilder, aber keine an den einzelnen Häusern. Die Abteilungen sind erst dann erkennbar, wenn die Nase an den Eingang stösst. Zum insgesamt schlechten Eindruck von Teilen der Gebäude kommt die überreginaloe Zuständigkeit für Infektionskrankheiten, Aids und Drogen, Alkohol, und Tropenkrankheiten, was Menschen mit schwachen Nerven beim Begehen des Geländes schon einmal etwas flacher atmen lässt.

Einige der Gebäude im Hof sehen auch mehr nach Gefängniss aus, sind baufällig, und schwer vergittert. Mann blickt in ebenerdige Krankensäle mit transparenten Fenstergardienen und sieht wirklich traurig anzuschauende Gesichter, oft kahlrasierte Schädel. Privatspähre ?  Scheint allen egal zu sein.

Was sind nicht alles für Schauermärchen über die Krankenbescheinigungen aus dem Botkinskaya Krankenhaus im Umlauf, der fürchterlichen Zustand, ewigen Schlange, umständlichen Abläufe und vollkommen unverständlichen Anweisungen, unfreundliches Personal und unsinnigen Irrwege durch das Historische Krankenhausareal ?

Stimmt alles aber eben auch nicht. Da man 3400 Rubel für den Durchlauf  bezahlen muss, bekommt mann einen guten Service, die Räume in denen der Delinquent seine Liste an Analysen abarbeiten muss sind neu Renoviert, (Ausnahme abgabe der Urinprobe im Drogentestlabor) das ist Stand 2008 noch Sowjetisch. Aber überall strahlt frische Farbe und nettes Personal.

Da ich nicht im Zentralen OVIR den Antrag abgeben werde, entfällt die Dermatologiesche Analyse und die Psychatrische Begutachtung, welche im Heimatrayon gemacht werden muss. So das ich deren Lokalitäten nicht mit in den Wegeplan aufnehmen kann. Diese Untersuchungen sind Alltag für alle Petersburger, für den Führerschein oder den Gesundheitspass für die Arbeit. Daher gibts in jedem Rayon eine zuständige Poliklink oder ein „KWD“ dafür. Der Berichte wird nachgeliefert.

WEGEPLAN und Ablauf

Im Plan Nr. 2, rechts,  sind alle Orte mit ROTEN Ziffern in der üblichen Reihenfolge der Untersuchungen eingetragen. Das Krankenhaus hat täglich von

WICHTIG!
Voraussetzung für die Analyse: Der Reisepass und seine Amtliche-Übersetzung.

Nr. 1, Eingang zur Poliklinik

In dem Gebäude der Poliklinik findet das Gros der Untersuchung und die Formalitäten statt. Der Eingang befindet sich bei „1“. Um keine unnötigen Kleidungsstücke und Taschen mitzuführen gibts im Foyer eine gesicherte Garerobe.

Nr.2, Registrierung an der KASSE

Nach dem Eingang links in die Poliklinik und an der Kasse (neben der Registratur NR1), 2700 Rubel für die Blutanalyse, Infektionsuntersuchung, und das Lungenröntgen bezahlen. Das Geld am besten Bar (E CASH und Karten gehen aber nicht immer) und abgezählt auf den Tisch legen. Die Quittung ist wichtig und muss überall vorgezeigt werden. Für den Drogentest nochmal 760 Rubel bereithalten.

Nr 3, Blutabgabe im Kabinet Nr. 3

Gleich daneben ist ein Wartebereich mit mehreren Reihen weisser Stühle. Der Saal hat wie alle Räume, LCD Schirme, welche den Zugang zu den verschiedenen Kabinetten (Zimmern) und die aktive Nummer aus dem Automaten anzeigen. Leider hat der Talon Automat und der PC mit der Anzeige nicht funktioniert und so gings im System wie immer.

Man frägt vor der Tür Kabinett Nr. 3 – „Kto Poslednije“ -„wer ist der letzte“ in der Schlange ? und geht erst dann in das Kabinet wenn diese Person wieder rauskommt. Im Kabinet gibt mann Blut und achtet darauf das der Name korrekt.

Anmerkung, wenn ein neuer Kunde kommt und Frägt „KTO POSLEDNIJE“ dann hebt mann am besten die Hand sonst gibts Chaos, und durch das Zeichen ist man nicht gezwungen russisch zu reden.

Nr 4, Datenaufnahme und Registrierung im Kabinet Nr. 6

Dannach alle erstellen Dokumente in das Kabinett Nr. 6 tragen (ggf. hats wieder ein paar Menschen davor,  dann nach dem „Letzten“ einreihen. Im Normalfall sind aber keine Wartenden dort. Dann einfach anklopfen, falls niemand im Kabinett ist zurück zu Registratur Nr.2, im Plan bei NUMMER „8“ und eine der Damen fragen, die bei Leerlauf und zwischen 15-16 dort arbeiten. Oder wird der Raum gerade mal wieder nur „Durchgelüftet“. Seltsamer Weise sind dies „Durchlüftungspausen“ von 30min-1h immer um die Mittagszeit. Aber nun gut, auch die Ärtzte müssen essen.

Im Kabinett wird die Administrative Aufnahme gemacht. Mann bekommt auch eine C4 Briefumschlag mit einem Laufzettel, ein Urinprobenbehälter und genaue Angaben wo und was zu im Folgenden zu tun ist.

Nr 5, Hosen Runter beim Artzt für Geschlechtskrankheiten, Kabinett Nr. 5

Daneben ist gleich das Kabinett Nr. 5 bei dem Hals, Schritt, Haut und Achselhöhlen abgetastet werden. Ein Gynakologie Stuhl lässt mich ahnen, dass den Damen noch anderes  Ungemach droht. Bei wars in 30 Sekunden vorbei, schnell, professionell, nichts wie raus.

Alle Räume im Gebäude der Poliklinik sind sowie so nagelneu renoviert. Das gilt auch fürs WC, das ist aber dennoch eine hygienische Katastrophe.

Nr 6, Urinprobe – unter Narkomanen.

Dann gehts über das Gelände zum Haus mit der Hausnummer 21 im Plan mit Nr. 7 Markiert. Das ist das Labor für Drogentests in dem die Urinproben (2 Becher) abgegeben werden müssen. Die Analyse kostet nochmal Extra 760 Rubel (Stand 2008). Vor mir waren ein alkoholkranker Kandidat und weitere fragwürdige Gestalten in der Reihe. Die Probe darf mann selbstständig in einem sowjetischen Toilettenraum abgegeben, dessen Zustand leider noch weniger die schon runtergeschraubten Erwartungen treffen die mann hier hat. Also alles Andere als hygienisch sind. Also schnell wieder raus. Proben in die bereitgestellten Wannen  stellen und schnell zum Röntgen.

Nr 7, TB Untersuchung – Flurografie

Weiter über das Gelände zu Punkt Nr 8. Was den Eindruck einer Garage (“ BOX NR. 13 oder 16″ macht ist in Wahrheit die Roentgenstation, hier „Flurografie“ / „флюорография“ genannt. Witziger Weise war ausgerechnte vor diesem Bereich eine Schlange, weil gerade wieder „Gelüftet“ werden musste.

Eine gute Idee einfach die potentiellen TB und Lungen-Kranken alle im Regen auf der Strasse stehen zu lassen. Noch besser wenn die Temperatur gerade 30 Grad minus statt 10 Grad plus beträgt? Ob das der Reduzierung der Antragsteller dient?

Die Röntgenstation hat dann aber keinen Flurschirm, war wieder frisch renoviert und sie benutzen ein recht modern wirkendes digitales Massenuntersuchungsgerät. Die Ärztin ermahnt im Kasernhofton was zu tun ist und nicht gleich wegszulaufen, sondern das Ergebnis nach 5min gleich mitzunehmen. Mit dem Attest und Bild gehts dann zurück an den Anfang.

Nr 8, Abgaber aller Ergebnisse

Im Hauptgebäude, der Poliklinik gibt man am Schalter der Registratur Nr. 2 dann alle Ergebnisse ab. Die Dame erklärt das 3 Tage Später zwischen 15-16 Uhr ohne Warteschlange die Ergebnisse abgeholt werden können.

Der ganze Parkur wäre ohne „Durchlüftungen“ in ca. 1h zu schaffen. Sich 2h dafür zu planen ist dennoch zu empfehlen.

 

 

 

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1 Kommentar

  1. Gina und Heidi sagt:

    Super getroffen, haben wir alles auch schon mal durchgemacht

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