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Auf Sand gebaut: Ungewisse Expansionspläne des Fährhafens

Von   /  31. Oktober 2018  /  Keine Kommentare

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eva.- Die neuen aufgeschütteten Landfläche in der Bucht vor Petersburg finden bereits Interessenten – darunter der Fährhafen „Morskoi Fasad“, der der Stadt gehört. Die Pläne eines visafreien Zentrums für den Fährtourismus stossen bei Experten auf wenig Beifall.

Die Stadt plant laut Fontanka.ru den Kauf von rund zehn Hektaren des neu aufgeschütteten Baulandes vor der Stadt zum geschätzten Preis zwischen zwei bis vier Milliarden Rubel. Wie der Generaldirektor von „Morskoi Fasad“ Vadim Kaschirin an einer Pressekonferenz bekannt gab, plant man darauf die Errichtung eines modernen Zentrums für den Fährtourismus, bestehend aus Hotels und Gebäuden für Kongresse und Ausstellungen.

Während der diesjährigen Fährsaison kamen 623.000 Touristen per Schiff nach Petersburg – doch nur 15.000 Personen davon begannen oder beendeten in Petersburg ihre Reise. Diese Besucher sind für die Stadt jedoch von grösster Wichtigkeit, da sie ein Vielfaches an Einnahmen bringen im Vergleich zu jenen Touristen, die auf ihrer Kreuzfahrt durch die Ostsee höchstens wenige Tage hier verbringen.

Ein Hauptproblem: das Visum

Doch im Vergleich zu Letzteren, die mit Gruppenreisen für drei Tage visafrei die Stadt besuchen können, brauchen alle anderen ein Visum. Zwar hat die Petersburger Stadtregierung in Moskau schon einmal einen Vorstoss zur Erlangung eines Sonderstatus als „freier Hafen“ wie Wladiwostok unternommen, doch bisher ohne Erfolg. Ein weiterer Versuch soll darum erfolgen. Doch selbst wenn das klappt, ist die angespannte internationale Lage noch immer für viele Westtouristen eine psychologische Hemmschwelle.

Hinzu kommt, dass selbst bei Visafreiheit die Schiffe für die Ankurbelung des Fährtourismus auf der Ostsee fehlen. Wie Anfang Oktober bekannt wurde, sind die Verhandlungen über ein gemeinsames Pilotprojekt der Stadt und dem estnischen Fährunternehmen Tallink vorerst gescheitert. Eigene Fähren zu bauen, kommt zu teuer, ohne Subventionen der Stadt lohnt sich hingegen für Tallink das Anlaufen der Stadt nicht.

Fehlende Fährverbindungen im Ostseeraum

Von zwei Schiffen der St. Peter-Line, die über Jahre die Routen Petersburg-Helsinki und Petersburg-Helsinki-Stockholm-Tallinn bediente, ist nur noch eines übriggeblieben. Dieses fährt die Routen weiterhin, jedoch in schwachen Intervallen. Zudem fehlen all die anderen Verbindungen, die für den Tourismus interessant wären – nach den baltischen und skandinavischen Staaten, nach Polen und Deutschland sowie in die russische Exklave Kaliningrad.

Ausserdem, so meinen die Experten herrscht im Bereich des Fährhafens bereits grosse Konkurrenz für mögliche Hotelneubauten, darunter das Hotel „Pribaltijskaja“ mit rund 1200 Betten auf der Wassili-Insel. Das und andere Faktoren würde die dringend benötigten Investoren eher abschrecken. Wirtschaftlich gesehen, eignet sich der aufgeschüttete Sandboden viel besser für Wohnungsbauten – die sich schon nach zwei bis drei Jahren auszahlen – im Gegensatz zu einem Hotel, das sich erst nach 17-20 Jahren rentiert.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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