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Arctic Sea: Russischer „Piratenexperte“ Woitenko flieht aus Russland

Von   /  4. September 2009  /  1 Kommentar

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TOPTICKER.- Michail Woitenko, Chefredakteur des Fachdienstes Sovfracht Maritime Bulletin und russischer Schifffahrtsexperte ist nach Istanbul geflohen. Michail Woitenko hatte auf der Internetseite des Fachdienstes Sovfracht Maritime Bulletin immer wieder über ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem Verschwinden und angeblichen Auftauchen berichtet.


Noch am 18. August wunderte sich Michail Woitenko öffentlich, warum der Frachter während des Überfalls keinen Notruf absetzte, wie es den Piraten gelingen konnte, die 15 Handys an Bord „binnen einer Sekunde“ auszuschalten und das Schiff unentdeckt mitten durch europäisches Gewässer zu steuern. Gewöhnliche Kriminelle könnten das nicht – zumindest nicht ohne Beteiligung der Besatzung, sagte er. „Ich glaube, den beteiligten Ländern fehlte einfach die Zeit für eine plausible Erklärung – deshalb einigten sie sich, ‚dass es in der Familie bleibt'“, vermutete Woitenko. “Irgend jemand, irgendwo wollte eine bestimmte Lieferung verhindern. Also wurde denen, die das ganze organisiert hatten, signalisiert, dass sie damit aufhören sollen und daran waren mehrere Staaten beteiligt.”

„Ich muss an meine eigene Haut denken“

Am 20. August schrieb Woitenko dann in einer sehr emotionalen Erklärung im „Maritime Bulletin“, dass er froh ist, dass die Besatzung lebt und alles vorbei ist und er nicht mehr weiter über die Geschichte schreiben wird. Sein Schreiben endet mit dem Satz: „Ich kann nichts sagen über die Wurzeln der Geschichte aber ich plane nicht weiter zu graben — Ich muss an meine eigene Haut denken. Verstehen Sie es wie Sie möchten“

Augenscheinlich war das nicht genug, gestern floh Woitenko nach Istanbul. In einem Telefongespräch mit der „The Moscow Times“ erklärte er, er sei unter Druck gesetzt worden. „Einige schwere Jungs haben gestern oder vorgestern mir gegenüber angedeutet in den nächsten drei bis vier Monaten nicht zurückzukehren“, so Woitenko aus Istanbul. Auf die Frage, wer denn die Leute waren, antwortete er: „Raten Sie mal. Ja, es war wegen der Arctic Sea.“

Nach Istanbul geflogen

Die „Arctic Sea“ der finnischen Reederei Solchart war am 23. Juli angeblich mit einer Ladung Holz im Wert von 1,16 Millionen Euro nach Algerien aufgebrochen. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministers Anatoli Serdjukow entführten acht Piraten das Schiff einen Tag nach seinem Auslaufen aus einem finnischen Hafen. Die mysteriöse Fahrt endete am 17. August angeblich vor der Küste der Kapverden, dort brachte die „Ladny“ den Frachter auf.

Woitenko sagte gestern Nachmittag, kurz nach seiner Ankunft in Istanbul geflogen: „Ich will hier nicht lange bleiben. Ich werde an einen anderen Ort gehen. “ Woitenko Website veröffentlichte regelmäßig Meldungen über die „Arctic Sea“. Oft auch unter Berufung auf nicht identifizierte Quellen, aber auch Mitarbeitern aus dem russischen Verteidigungsministerium. In einem Artikel des Time Magazine am Montag wird er mit der Schlagzeile zitiert: “Was Russia’s ‘Hijacked’ Ship Carrying Missiles to the Mideast?”

„Die Angehörigen schweigen“

Bevor Woitenko Chefredakteur des Fachdienstes Sovfracht Maritime Bulletin wurde, war er 15 Jahre Seemann und ein „ Fan der Handelsmarine“ Woitenko war der erste, der auf seiner Webseite den offenen Brief der Angehörigen veröffentlichte, mit der Bitte an die russische Regierung eine Untersuchung einzuleiten und einer der wenigen, der Kontakt zu den Angehörigen der Arctic Sea hielt. Gleich nach dem Erscheinen des Briefes, kam die Anweisung von Präsident Dmitri Medwedew an das Verteidigungsministerium, die Arctic Sea zu finden und zu befreien, falls sie gekidnappt sei.

Mittwoch sagte Woitenko, dass er keinen Kontakt mehr zu den Angehörigen hat. „Die Angehörigen schweigen. Ich muss den Kontakt zu den Angehörigen unterlassen. Es wird schlimmer für sie sein „, sagte er, ohne es näher zu erklären. „Wenn sie der Meinung sind, dass ich etwas Gutes getan, dann können sie mir schreiben und sich bei mir bedanken.“ In den letzten Tage stürzte die Seite des Maritime Bulletin mehrmals aus unerklärlichen Gründen ab. Auf der Webseite ist auch ein Forum in dem von Experten und Matrosen über den Arctic Sea Fall diskutiert wird.

„Eiscreme im Bermuda-Dreieck“

Andrei Soldatov, ein Geheimdienstanalytiker, sagte, dass die Einschüchterung, die Woitenko beschrieben hat, nicht typisch für Geheimdienste ist. Das jemand Druck auf ihn ausübt, das Land zu verlassen ist „sehr, sehr seltsam“. Geheimdienste würden einfach mit ihm sprechen oder seine Webseite schliessen. „Die Frage ist: Wer mit ihm gesprochen? Es sieht nicht nach Geheimdienste aus, eher Waffen-Händler, illegale Waffen-Händler oder jemand ähnliches „, sagte Soldatov.

Die acht mutmaßlichen Entführer der Arctic Sea wurden der Piraterie und Entführung angeklagt und warten auf ihren Prozess im Lefortovo Gefängnis. Elf der Matrosen sind wieder zu Hause in Archangelsk. Sie haben sich geweigert, mit Reportern zu sprechen und sagten sarkastisch, dass sie im Bermuda-Dreieck verschwunden waren, wo sie mit Eiskrem von den Piraten versorgt wurden. Woitenko ist der Meinung, dass die Seeleute zum Schweigen gezwungen werden. Die Behörden erklärten, dass die vier anderen Matrosen die Arctic Sea nach Noworossijsk bringen. Dort soll es Mitte September ankommen. (russland.ru)

www.russland.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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