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„Angelegenheit abgeschlossen“ – Isaakskathedrale geht nicht an Kirche

Von   /  29. März 2019  /  Keine Kommentare

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eva.- Wie die Medien aus Kreisen der Petersburger Stadtregierung und des Kulturministeriums erfuhren, steht die Übergabe der Petersburger Isaakskathedrale nicht mehr länger zur Debatte. Es wird vermutet, dass hinter dem Rückzieher die Unzufriedenheit in der Bevölkerung bezüglich dieser Frage im Vorfeld der bevorstehenden Gouverneurswahlen steht.

Der Entscheid kam für die meisten völlig überraschend, galt doch die Übergabe der Kathedrale an die russisch-orthodoxe Kirche bereits als ausgemacht. Die Umwandlung des Petersburger Prachtsbaus vom weltlichen Museum in ein Dienstobjekt der Kirche im Rahmen der gesetzlich verordneten Restutition enteigneten Kircheneigentums wurde im Januar 2017 bekannt und sorgte sofort für grossen Unmut in der Petersburger Bevölkerung.

Dabei spielte nicht nur die Tatsache der Übergabe, sondern auch die Art eine wichtige Rolle, denn offensichtlich war die Sache klammheimlich zwischen dem damaligen Gouverneur Georgi Poltawtschenko und der Kirchenführung ausgemacht worden. Mehrfach kam es zu Protestaktionen gegen die Auflösung des Museums, ein Referendum wurde von der Stadtregierung trotz genügend Unterschriften abgelehnt.

Personelle „Säuberungen“

Auch gerichtlich wurde der Entscheid angefochten, denn die Kläger führten ins Feld, dass die Kirche nie der Kirche gehört, sondern direkt dem Zaren unterstellt gewesen sei. Ausserdem argumentierten sie, dass die Kirche, die dank Eintrittsgeldern selbst für ihren Unterhalt aufkommt, nach der Übergabe unrentabel werden könnte.

Schon vor der erwarteten formalen Übergabe fanden personelle „Säuberungen“ statt. Nach dem Rücktritt des beliebten Direktors und Übergabe-Gegners Nikolai Burow wurde ein neuer Direktor eingesetzt, der eindeutig von der Kirche auserwählt worden war. Ausserdem kündigte ein grosser Teil des bisherigen Personals.

Plötzlicher Stillstand der Restitution

Doch Ende 2018 schien der Prozess plötzlich stillzustehen als die Kirche die offizielle Frist für den Antrag der Übergabe verstreichen liess. Und seit dem 29. März ist es nun offiziell – eine Übergabe der Kirche sei weder sinnvoll noch dringend, hiess es knapp von offizieller Seite.

Die wahren Gründe dafür können nur vermutet werden: Zum einen verlor die russisch-orthodoxe Kirche 2018 nach dem Rücktritt des erklärten Kirchenfreundes Georgi Poltawtschenko sicher eine wichtige Lobby-Kraft in der Regierung. Zum anderen kann dahinter auch eine Vorsichtsmassnahme im Vorfeld der bevorstehenden Gouverneurswahlen im Herbst. Denn im Smolny weiss jede(r), wie unpopulär der Restitutionsentscheid bei einem Grossteil der Bevölkerung gewesen war. Inwiefern jedoch das Manöver allerdings das rekordtiefe Rating des Kremlkandidaten Beglow verbessern wird, ist fragwürdig.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

www.rbc.ru

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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