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Andrey Tscheschin – König der Reissnägel

Von   /  20. Februar 2011  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Die Ausstellung in der “Parnik-Gewächshaus”-Galerie trägt den Titel “Thron des Reissnagels”. Eigentlich hätte sie “Der Thron des Eiskönigs” heissen müssen, denn die  Vernissage fand bei- 20 Grad Kälte statt. Die Ausstellung besteht aus einem einzigen Objekt, einem silbrigen Hocker in Form einer riesigen Reisszwecke. Er schwebt über zersplittertem Eis, das den passenden surreal-fantastischen Hintergrund dazu bildet – ein Stuhl, auf den sich niemand setzen kann (Fotogalerie).


Der “Thron” steht für ein Reich, das im Hintergrund, im  Reissnagel-Museum existiert. Sein “Herrscher” heisst Andrei Tscheschin, einer der Veteranen des Kulturzentrum „Puschkinskaja-10“. 1960 geboren, absolvierte er 1982 das Leningrader Institut für Film-Ingenieure, wo er zu fotografieren begann. Er gehört der Perestroika-Künstlergeneration an, die 1990 den Häuserblock an der Puschkinskaja-Strasse besetzten und darin ihre Kunstwelt einrichteten.

Alles wurde „genagelt“

Mit seinen schwarzweissen Fotoserien, Bildmontagen, Selbstporträts, Objektaufnahmen nahm er an dutzenden von Ausstellungen im In- und Ausland bekannt. Der Reissnagel taucht bereits 2002 in seinen Fotografien auf, schliesslich wird das spitze Dinge zum Mittelpunkt seines Schaffens. Den Kreis mit ausgeschnittenem Dreieckszahn bildete er nicht nur in allen nur erdenklichen Techniken ab, er behaftete auch unzählige andere Objekte, Skulpturen und Gebrauchsgegenstände mit Reissnägeln – vom Fotoapparat bis zur Maschinenpistole wurde alles „genagelt“.

Das Nägelchen kann ganz schön pieken

Wie jeder Alltagsgegenstand besitzt auch der Reissnagel eine banale Zweckform und einen Charakter und eine Bedeutung im übertragenen Sinn. Das kleine spitze Nägelchen kann ganz schön pieken – er kann ein als Zeichen für Widerstand und Aufmüpfigkeit stehen. Darüber kam es an der Ausstellungseröffnung – anstelle einer Vernissagerede – zu einer angeregten Diskussion im bereits etwas alkoholisierten Publikum. Man erinnerte sich daran, wie man in der Kindheit dem Lehrer einen Reissnagel auf den Stuhl gelegt hatte – ein kleiner Stachel sorgte bei der Autorität für einen Aufschrei und bei den „Attentätern“ für Entzücken.

Bis 17. März in der “Parnik-Gewächshaus”-Galerie im Kulturzentrum „Puschkinskaja-10“. 22. November um 20.00 Uhr in St. Petersburg, Experimental Sound Gallery, Kulturzentrum Puschkinskaja 10, Eingang vom Ligowsky-Prospekt 53.

www.p-10.ru

www.chegin.com

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. jutta garbas sagt:

    dear anrey teschschin,

    as I was in sibiria this summer tatyana usova gave me your name. I am surching for my friend andrey lisin. tatyana said, that you can help me. Please give me a little singn, o.k.?!

    Thanks a lot and greetings from JUTTA (artist from Berlin-Germany)

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