Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Am Newski offenbart sich ein neuer städtebaulicher Sündenfall – der Stockmann-Komplex

Von   /  15. März 2010  /  1 Kommentar

    Drucken       Email

TOPTICKER.- Das Stockmann-Warenhaus, das an der Hausnummer 114 am Newski-Prospekt errichtet wird, entpuppt sich als neuer denkmalschützerischer Skandal. Der Komplex an der Ecke Newski/Vostania-Strasse scheint aus allen Nähten zu platzen, rechtlich wie architektonisch.


Schon jetzt ist sichtbar, dass der Bau das Nachbargebäude um zwei bis drei Etagen überragt und bei seiner Vollendung als gigantischer Betonblock den Vostania-Platz zu dominieren wird. Recherchen von Fontanka.ru haben nun ergeben, dass der Investor sich praktisch über sämtlichen Vorgaben des Denkmalschutzes hinweg gesetzt hat und keine seiner Versprechungen einhält.

Historischer Häuserblock trotz gutem Zustand abgerissen

Schon bei Baubeginn 2007 wurde der historische Häuserblock kurzerhand abgerissen, obschon er laut Experten hätte erhalten werden können. Doch damals zog sich Stockmann mit der Versprechung aus der Affäre, man werde die Hausfassaden bis ins Detail rekonstruieren. Diese Art des kompletten Aushölens alter Gebäude wird in Russland „Renovierung à la Luschkow“ genannt, weil dieser Praxis viele Gebäude im Zentrum Moskaus zum Opfer gefallen sind.

Schaufenster im Erdgeschoss „historisch belegt“

Im vergangenen Herbst stellte sich jedoch heraus, dass Stockmann im Erdgeschoss grosse Fensteröffnungen für Schaufenster einbauen liess, die nicht im geringsten mit dem ursprünglichen Bau übereinstimmen. Historische Funde hätten ergeben, dass das Gebäude in einer früheren Periode ebenso ausgesehen hätte, liess die Bauherrschaft gegenüber der Öffentlichkeit verlauten. Die „Funde“ wurden jedoch keiner der Kontrollbehörde vorgewiesen.

Alles genehmigt – aber von wem?

Gleichzeitig liess Stockmann verlauten, jede Änderung sei mit dem Bauamt und dem Denkmalschutz abgestimmt und genehmigt. Bei beiden Behörden weiss aber niemand, wer dieses Projekt in der jetzigen Form abgesegnet hat – die Recherchen verlieren sich im bürokratischen Dickicht. Mittlerweile ist aber schon für den Laien von blossem Auge erkennbar, dass an dieser Sache einiges faul ist, gilt doch für diese Bauzone die strikte Regel, dass die Höhe der Nachbargebäude auf jeden Fall einzuhalten ist.

Glaubwürdigkeit der Behörden erneut auf die Probe gestellt

Der Fall Stockmann scheint damit zu einem neuen Exempel architektonischer Willkür mitten im historischen Zentrum Petersburgs zu werden – und für die Behörden zu einer weiteren Prüfung ihrer Glaubwürdigkeit. Wird man dem Stockmann-Giganten einfach klein beigeben, oder einschreiten wie es im Fall des neuen Börsengebäudes auf der Wassili-Insel geschehen ist, das im Nachhinein verkleinert werden musste? (eva)

Bild: Eugen von Arb/SPB-Herold

www.fontanka.ru

Weitere Neuigkeiten finden Sie auf unserem Nachrichtenticker >>>

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Neuer Abriss-Skandal – Denkmalschützer, freiwillige Aktivisten und die Polizei “verteidigen” das Rogow-Haus

Zangengeburt: Petersburg erhält ein Denkmalschutzgesetz

Börsengebäude soll “geköpft” werden

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Fussball WM 2018 in Russland – die Spielergebnisse auf einen Blick

mehr…