Laden...
Sie sind hier:  Home  >  Aktuell  >  Aktuelle Artikel

Aids-Beauftragter schlägt Alarm: bald „afrikanische“ Ausmasse in Russland

Von   /  15. Mai 2015  /  Keine Kommentare

    Drucken       Email

eva.- Der Leiter des föderalen Aidsbekämpfungszentrums Wadim Pokrowski gab bekannt, dass die Aids-Problematik in Russland Ausmasse einer nationalen Katastrophe angenommen habe. Nach seiner Statistik werden sich in Russland bis Ende Jahr eine Million Personen angesteckt haben – ein Jahr später sollen es doppelt so viele sein.

Pokrowski forderte von der Regierung dringende Sondermassnahmen zur Eindämmung der Gefahr: Aufklärung über die Ansteckungsgefahr im Sexualunterricht an Schulen, Methadonprogramme für Drogensüchtige und Sozialarbeit in der Drogenszene. Damit stiess er allerdings auf taube Ohren bei den Behörden – so beschuldigte man ihn bei der Moskauer Stadtregierung der Verbreitung von Schauermärchen und bezeichnete ihn als „Agenten“, der gegen die Staatsinteressen arbeite. Auch das Gesundheitsministerium und die staatliche Drogenkontrollbehörde wiesen den Aufruf Pokrowskis zurück, schreibt der Kommersant.

Zum Vorjahr zehn Prozent mehr Infizierte

Pokrowski übte harrsche Kritik an der staatlichen Aids-Politik, indem er konstatierte, dass in den meisten europäischen Ländern die Ansteckungszahl zurückgingen, während sie in Russland ansteige. Auch die Finanzierung der Präventivmassnahmen für 200 Millionen Rubel (rund drei Millionen Euro) bei einer Bevölkerung von 145 Millionen bezeichnete er als völlig ungenügend.

Nach seinen Angaben erhöhte sich die Zahl der Aids-Infizierten im ersten Quartal 2015 gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent und habe zum ersten Mai 933.419 Personen betragen – etwa die Gesamtzahl Angesteckter in den übrigen europäischen Ländern. Dies seien schon fast „afrikanische“ Ausmasse, meinte Pokrowski. Im Vergleich mit Deutschland habe Russland mit einem Prozent Infizierter eine rund zehn Mal höhere Zahl.

Entwicklung von Impfstoff abgebrochen

Dabei könne man die offiziellen Zahlen problemlos verdoppeln, weil die Krankheit lange unbemerkt bleibe und die Angesteckten deshalb nichts von ihr wüssten. Da ein Grossteil der Bevölkerung meine, dass nur Drogensüchtige und Homosexuelle betroffen seien, verstünde niemand die Notwendigkeit von Aids-Tests. Als Hauptrisikogruppe bezeichnete er Frauen im Alter zwischen 30 und 35 Jahren, die in einer offenen Beziehung leben.

Er warnte auch vor den steigenden Kosten und vor der Abhängigkeit vom Medikamenten-Import, da bisher nur ein einziges russisches Präparat zur Aidsbehandlung existiert. Im Januar waren wegen Geldmangel die Forschungsarbeiten an einem russischen Aids-Impfstoff eingestellt worden, obschon das Projekt vielversprechend war. Der einzige Trost sind die neuesten Forschungsergebnisse, die mögliche Mutationen beim Aidsvirus festgestellt haben, die ihn weniger gefährlich für den Menschen machen.

Bild: Wikimedia Commons

www.newsru.com

www.kommersant.ru

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Petersburger Wissenschaftler testen Aids-Impfstoff am Menschen

    Drucken       Email

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren...

Geschichte: Johann Strauss und der „Musik-Bahnhof“ Pawlowsk

mehr…