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Prominenter sowjetischer Dissident Wladimir Bukowski gestorben

Von   /  13. November 2019  /  Keine Kommentare

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eva.- Der Dissident und Schriftsteller Wladimir Bukowski ist im Alter im Alter von 76 Jahren an einem Herzschlag gestorben. Bukowski, der während Jahrzehnten in Grossbritannien lebte, galt als einer hartnäckigsten Gegner des Sowjetregimes und liess sich 2008 als russischer Präsidentschaftskandidat aufstellen. Aber auch die EU war seiner Kritik ausgesetzt, weil er darin eine neue Form eines Sowjetstaates sah.

Wladimir Bukowski wurde 1942 in der Evakuation in Baschkirien als Sohn eines sowjetischen Schriftstellers und Schriftstellers Konstantin Bukowski geboren. Bereits in seiner Jugend geriet er in Konflikt mit dem Regime als er wegen einer selbstverfassten Zeitung von der Schule verwiesen wurde. Ab 1960 gehörte er zu einer Gruppe von Politaktivisten, die sich regelmässig beim Moskauer Majakowski-Denkmal versammelte.

Nach einer Hausdurchsuchung, bei der systemkritische Schriften Bukowskis beschlagnahmt wurden, schloss man ihn ein Jahr später von der Universität aus. 1962 wurde ihm die (später widerlegte) Diagnose „Schizophronie“ gestellt und nachdem man ihn dabei erwischt hatte, wie er verbotene Bücher kopierte (Samisdat), lieferte man ihn als „unzurechnungsfähig“ in eine psychiatrische Klinik ein. Damit begann Bukowskis Odyssee durch Nervenkliniken, Gefängnisse Straflager, in denen er insgesamt zwölf Jahre verbrachte.

Erfahrungen in der sowjetischen Psychiatrie veröffentlicht

Später veröffentlichte er seine Erfahrungen in sowjetischen Psychiatrie, die als Instrument bei der Unterdrückung Andersdenkender missbraucht wurde. Trotz immer neuer Verhaftungen und Haftstrafen schwieg Bukowski nicht und organisierte weiterhin Demonstrationen für politische Gefangene und Meinungsfreiheit. 1976 wurde er schliesslich gegen einen chilenischen Kommunisten ausgetauscht und kam nach England, wo er mit Gleichgesinnten ein antikommunistisches Komitee gründete. Sein politisches Engagement dauerte bis ins hohe Alter an – 2008 liess er sich sogar als Präsidentschaftskandidat aufstellen, wurde jedoch wegen seines britischen Passes nicht zugelassen.

Doch neben der Sowjetunion und Putins Russland kritisierte er immer mehr auch die Europäische Union, in der Bukowski zunehmend sowjetische Züge zu erkennen glaubte. 2014 verweigerte das russische Aussenministerium Bukowski die Verlängerung seines russischen Passes, den er erst 2008 erhalten hatte. Im selben Jahr stellte die britische Polizei bei einer Hausdurchsuchung Kinderpornografie auf Bukowskis Computer sicher und eröffnete ein Verfahren, das Bukowski als Verleumdung bezeichnete und gegen das er in den Hungerstreit trat. Wegen Bukowskis schlechtem Gesundheitszustand stellte die Justiz  das Verfahren schliesslich ein. Am 28. Oktober ist er in Cambridge gestorben.

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

 

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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