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Eklat beim Schaubühne-Gastspiel in Petersburg: „Kosaken“ gegen „Tod in Venedig“

Von   /  23. November 2013  /  Keine Kommentare

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rian.- Aus Protest gegen die Vorführung der Schaubühne-Produktion „Tod in Venedig / Kindertotenlieder“ des Regisseurs Thomas Ostermeier haben Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag das Gebäude des St. Petersburger Maly Dramatitscheski-Theaters mit Schimpfwörtern beschmiert.Die Hass-Worte waren an den künstlerischen Leiter des Hauses, Lew Dodin, gerichtet. Darüber hinaus richteten drei Personen, die sich als „Petersburger Kosaken“ bezeichnen, einen Brief an das Nachrichtenportal Fontanka.ru, in dem die Aktion begründet wird.

Die Verfasser des Briefs bezeichnen das von Dodin organisierte „Winterfestival“ als ein „satanisches Fest“ und äußern ihre Empörung darüber, dass der Regisseur eine Produktion auf das Programm setzen ließ, das gegen das Verbot der „Homo-Propaganda“ verstoße. Wie es im Brief weiter heißt, haben die Verfasser das Theater aufgesucht und ihre Meinung über die Vorführung an den Wänden am Theatereingang hinterlassen. Darüber hinaus ließen sie dort einen Schweinskopf mit der Aufschrift „Dodin“ zurück. Auf Fontanka.ru wird die Vermutung geäußert, dass die Produktion der Berliner Schaubühne, die an dem Abend gespielt wurde, die Empörung der „Kosaken“ ausgelöst hatte.

Nach Abschluss der Vorführung betrat Regisseur Thomas Ostermeier die Bühne und sagte, seine Truppe hatte Angst, nach Russland zu reisen, nachdem sie von dem vor kurzem angenommenen Gesetz über das „Verbot der Homo-Propaganda“ erfahren hatte. Zum Abschluss der Ansprache äußerte Ostermeier seine Hoffnung darauf, dass das Gesetz nicht mehr in Kraft sein werde, wenn das Theater mit dem nächsten Gastspiel nach Russland komme. Mit diesen Worten erntete er eine fünfminütige Ovation der Zuschauer. 

Wie Fontaka.ru vermutet, sind die Namen der Briefverfasser – „Denis Gortschin, Iwan Olchowitsch und Wassili Suchatschenko“ – erfunden. Bei ihren vorangegangenen Aktionen hatten die „Petersburger Kosaken“ bereits gegen eine Theaterproduktion nach Vladimir Nabokovs Roman „Lolita“ protestiert. Im Januar 2013 wurde ein Fenster im Petersburger Nabokov-Museum mit einer Flasche zerschlagen. In einem an der Flasche befestigten Brief an die Museumsdirektion beschimpften die Verfasser diese für „die Propaganda von Nabokovs Pädophilie“. 

Bild: Eugen von Arb/SPB-Herold

www.rian.ru

www.fontanka.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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