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Stephen Fry in Russland: „Homo-Propaganda“-Gesetz treibt Jugendliche in den Selbstmord

Von   /  15. März 2013  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER.- Der offen homosexuelle britische Schauspieler und Komiker Stephen Fry hat sich in Sankt Petersburg mit einem der vehementesten Gegner der Schwulen-Bewegung, dem Abgeordeten Vitali Milonow, getroffen. Der offen homosexuelle britische Schauspieler und Komiker Stephen Fry hat sich in Sankt Petersburg mit einem der vehementesten Gegner der Schwulen-Bewegung, dem Abgeordeten Vitali Milonow, getroffen.

„Jetzt geht’s zum Interview mit dem Abgeordneten Milonow, dem Autor des „Gay-Propaganda“-Verbots. Das verspricht eine interessante halbe Stunde zu werden. Wünscht mir Glück“, twitterte der bekannte britische Schriftsteller und Schauspieler, der zu Dreharbeiten für seine Doku über die Lesben- und Schwulenbewegung nach Sankt Petersburg gekommen war, vor seinem Treffen mit dem russischen Politiker.

„Zusammenstoss mit anderer Zivilisation“

„Das war interessant, wie ein Kontakt mit einer anderen Zivilisation. Ich habe hauptsächlich zugehört“, sagte Milonow nach dem Stelldichein mit dem prominenten Schauspieler zu RIA Novosti. Frys Ziel sei dem Parlamentarier zufolge gewesen, „herzukommen“ und ihn persönlich zu „beleidigen“. „Er findet, dass ich der scheußlichste Mensch in ganz Russland bin“, so Milonow.

Vitali Milonow glaube offenbar nicht daran, dass lesbische und schwule Teenager gemobbt und drangsaliert würden, schrieb Fry nach dem Gespräch mit dem Abgeordneten auf Twitter. „Er denkt, die erfinden das und indoktrinieren Minderjährige.“ „All das ist sehr traurig“, heißt es in einem weiteren Tweet.

Dok-Film über lesbisches Paar in Petersburg

Wie der bekennende Schwule der Zeitung „Iswestija“ bekanntgab, hatte er den ganzen Tag mit Dreharbeiten für seine Dokumentation „Out There: About Being Gay Globally“ verbracht. In dem Russland-Teil des Films geht es um ein lesbisches Paar, das in der Stadt an der Newa lebt.

Zuerst wurde eine Straßenszene gedreht, danach fuhr der Brite gemeinsam mit einer der Frauen, seinem Kameramann und anderen Mitarbeiten in die Wohnung des Pärchens. In dem klassischen Plattenbau spielt eine weitere Szene der Doku.

„Barbarisches“ Gesetz in Tschaikowskis Heimat

In der Mittagspause nach vier Stunden Dreh erzählte Fry über seinen Film und das „Milonow-Gesetz“. „Ich weigere mich, zu verstehen, wie es in einer solch wunderbaren europäischen Stadt (…) ein derart unzivilisiertes, mittelalterliches Gesetz geben kann“, empörte sich Stephen Fry.

„Wie konnte man das annehmen in dem Land, wo Tschaikowski lebte, wo man besser als sonstwo die Musik von Wagner aufführt und versteht, wo die Menschen den Faschismus nicht nur überleben, sondern sogar besiegen konnten.“ Ihm zufolge verstößt das „Homosexuellen-Propaganda“-Verbot gegen die Menschenwürde und hat einen Anstieg der Selbstmorde unter lesbischen, schwulen und transsexuellen Jugendlichen zufolge.

„Dann zahle ich eben“

Die Geldstrafe von umgerechnet bis zu 6250 Euro, die ihm drohen könnte, wenn bei den Dreharbeiten Minderjährige anwesend sind, beeindruckt den Promi nach eigener Aussage nicht. „Wenn Sie ein solches Gesetz haben, dann zahle ich eben. Aber ich sage es noch einmal: Dieses barbarische Gesetz ist einer so schönen und großartigen Stadt nicht würdig.“

Vitali Milonow, dem Autor des Gesetzes und Abgeordneter der Gesetzgebenden Versammlung von St. Petersburg, kommentierte den Besuch des berühmten Verfechters der LGBT-Rechte aus Großbritannien der Zeitung gegenüber mit den Worten: „Vielleicht ist er ein guter Schauspieler, ich weiß das nicht. Aber die Propaganda von Homosexualität ist hier nicht zulässig. Das ist unser Land und unsere Gesetze, es gibt keinen Grund für ihn, diese zu diskutieren.

In England, wo Homosexuelle willkommen sind, wächst die Bevölkerung seit langem nur mehr durch Migration, nicht durch Demographie. London besteht zu zwei Drittel aus ehemaligen Bewohnern des Nahen Ostens. Alle Länder, die die Kindergeburtenrate unter der eingesessenen Bevölkerung anheben wollen, wie wir oder Indien, lösen bei ihnen Irritation aus.“

„Mischung aus Nationalismus und religiösem Fanatismus“

Extra überwachen werde er Fry nicht, gab der Abgeordnete, der bereits erfolglos Madonna wegen „Homosexuellen-Propaganda“ zur Kasse bitten wollte, bekannt. Gesetzesübertretungen würden aber ungeachtet der „Insignien“ und der Staatsbürgerschaft geahndet. „Wenn er seinen Film macht, ohne das Gesetz zu übertreten, d.h., wenn am Drehort keine Kinder sind, dann soll er eben arbeiten, uns ist das egal.

Wenn aber diese Bedingung nicht eingehalten wird, wird die Polizei gerufen, die dann einen Übertritt fixieren wird müssen und die Dokumente ans Gericht übergeben. Das Filmteam wird dann bis zu 250 000 Rubel Strafe zahlen müssen.“ „Wie dem auch sei, ich werde Russland immer lieben und hoffe, dass die russischen Jugendlichen es nicht zulassen, dass die Mischung aus Nationalismus und religiösem Fanatismus ihnen etwas anhat“, lautet die Bilanz von Fry. (rian)

Bild: Ria Novosti/Igor Russak

www.rian.ru

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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