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Neuer Abriss-Skandal – Denkmalschützer, freiwillige Aktivisten und die Polizei „verteidigen“ das Rogow-Haus

Von   /  25. Februar 2010  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Über das letzte Wochenende verdrängte ein neues Thema den Rekordwinter aus den Schlagzeilen: Das früher unter Denkmalschutz stehende Haus des Kaufmanns Rogow am Sagorodni Prospekt war widerrechtlich von den Baggern eines Investors attackiert worden. Aktivisten und Denkmalschützer organisierten daraufhin die Besetzung und vertrieben gemeinsam mit der Polizei die Bauarbeiter – eine unübliche Allianz.


Das Haus an der Adresse Sagorodni Prospekt 3 fristete ein ebenso trauriges wie typisches Dasein für ein denkmalgeschütztes Objekt in Petersburg. Verwarlost und zerfallen musste es schon vor vielen Monaten durch ein Netz und einen Zaun mit Fussgängerpassage zur Strasse hin abgesichert werden.

Patt-Situation

Im vergangenen Jahr wurde es völlig überraschend von der Liste der geschützten Bauten gestrichen und damit praktisch für den Abriss frei gegeben. Allerdings sorgte der Einspruch des städtischen Denkmalschutzes für eine Patt-Situation. Ein Gericht sollte die Rechtmässigkeit dieses Entscheids klären. Immerhin prägt das Eckhaus aus dem 19. Jahrhundert unweit des Wladimir-Kirche das Strassenbild deutlich.

Unerwarteter „Besuch“ über die Feiertage

Am 20. Februar, als sich die meisten Petersburger im verlängerten Wochenende befand, um den „Tag des Vaterlandverteidigers“ zu feiern, fuhr unerwartet eine Baubrigade auf und begann, das Gebäude abzureissen. Aktivisten der Denkmalschutz-Organisation „Lebendige Stadt“ („Schiwoi Gorod“) wurden durch Passanten informiert und alarmierten ihrerseits die Polizei, welche den Bagger stoppte. Sie hätten den Auftrag, das Haus während der vier Feiertage einzuebnen, sagten die Arbeiter.

Rund um die Uhr von Aktivisten bewacht

Der Direktor der Firma „Prestige“, der daraufhin auf der Polizeiwache eintraf, konnte keine Abrissgenehmigung vorweisen. Bisher war nur der Antrag für eine solche beim Bauamt eingereicht worden, doch der ausstehenden Gerichtsentscheid hatte den Prozess hinausgezögert.

Der Bautrupp unternahm weitere Versuche, den Abriss fortzusetzen, wurde jedoch von den Aktivisten, die das Haus rund um die Uhr bewachten, der Polizei und dem Leiter des Stadtbezirks persönlich vertrieben. Schliesslich wurde die Baubehörde aktiv und stellte das Rogow-Haus vorläufig wieder unter Denkmalschutz.

Wer hat den Abriss bestellt?

Obschon die Polizei die Angestellten der Abrissfirma vernahm, konnte bisher nicht ermittelt werden, wer den Abriss wirklich bestellt hat. Investoren und Bauunternehmen verbergen sich in einem Dickicht aus Holdings, Tarnfirmen und Teilhabern, von denen keine die Verantwortung übernehmen will. Ursprünglich war geplant an der Stelle des Rogow-Hauses (siehe Karte unten) ein weiteres Business-Zentrum zu bauen, doch waren die Pläne durch den Einspruch der Denkmalschützer durchkreuzt worden, indian cialis. Die Situation ist juristisch verfahren, ausserdem ist der Dachstock des Hauses schon grösstenteils zerstört, so dass eine Rekonstruktion sehr aufwändig wäre.

Bild: Eugen von Arb/SPB-Herold


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  • Veröffentlicht: 8 Jahren vor auf 25. Februar 2010
  • Von:
  • Zuletzt geändert: Februar 25, 2010 @ 8:09 pm
  • Rubrik: Aktuell

Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. piter sagt:

    Sämtliche Gelder der Investoren, Bauunternehmen, Holdings, Tarnfirmen und Teilhabern einfrieren und das Gebäude wieder dauerhaft unter Denkmalschutz stellen und gründlich renovieren. Desweiteren sollten hohe Gefängnisstrafen ausgesprochen werden und nicht nur die Portokasse geplündert werden. Super das diesmal alle zusammen gearbeitet haben, alle Achtung!!!!

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