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McDonald`s-Attentat: hohe Haftstrafen und ein Freispruch

Von   /  19. Januar 2009  /  Keine Kommentare

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MB. – Ein Gericht in St. Petersburg hat einen rechts motivierten Täter eines Bombenanschlags im letzten Jahr, der einem McDonald`s-Restaurant galt, wegen Terrorismus zu 15 Jahren Haft verurteilt, ein Mittäter, der ebenso vor Gericht stand erhielt sechs Jahre. Insgesamt standen vier Menschen vor Gericht.
10 leicht Verletzte nach der Explosion

Bei der Explosion in der Filiale an der belebten Ecke des Newski und des Wladimirski Prospektes erlitten damals zehn Menschen, darunter auch ein deutscher Tourist, leichte Verletzungen. Sie sorgte sie im Februar 2007 für großes Aufsehen in St. Petersburg, die nordrussische Metropole war bis jetzt immer von größeren Terroranschlägen verschont geblieben. Der 27 Jahre alte Lagerarbeiter Fjodor Kowaltschuk wurde zu 15 Jahren strenger Haft verurteilt, ein Mittäter zu sechs Jahren. Ein dritter Angeklagter erhielt sieben Jahre auf Bewährung, der vierte Beschuldigte wurde freigesprochen.


McDonalds als Verkörperung amerikanischen Lebensstils

Kowaltschuk hatte die Verantwortung für den Anschlag alleine übernommen. Er gestand, die nach seinen Angaben möglichst harmlose Bombe im Internet nach gefundenen Rezepten und Anleitungen selbst gebaut zu haben. Als Motiv nannte er Empörung über die harschen Reaktionen der westlichen Presse auf die Rede Wladimir Putins auf der vorletzten Münchner Sicherheitskonferenz. Putin griff die USA damals hart an, weil diese anderen Ländern, nach seiner Meinung nach, völkerrechtswidrig ihr System auf zwängen würde, Gewaltanwendung in der Außenpolitik dominieren ließe und eine globale Vorherrschaft anstrebe. Kowaltschuk gab an McDonald’s als Ziel gewählt zu haben, weil diese Kette seiner Meinung nach die Verkörperung des amerikanischen Lebensstil sei, der auf diese Weise auch den Russen aufgezwungen werden solle.

Anschlag auf antifaschistische Einrichtungen geplant

Es gab zwei Wochen zuvor einen anderen Konflikt zwischen Neonazis und Antifaschisten. Hier hatte allem Anschein nach der selbe Täterkreis eine baugleiche Bombe unter einem Blumenkiosk ganz in der Nähe gezündet. Der Anschlag sollte sich eigentlich gegen eine dort stattfindende Aktion der richten, die auf dem Wladimirski-Platz unter dem Motto „Essen statt Bomben“ (Food not Bombs) Lebensmittel an Obdachlose ausgab. Doch an diesem Tag hatte sich die Gruppe glücklicherweise verspätet. Dieser Anschlag wurde im Laufe des Prozesses jedoch nur noch als „Rowdytum“ gewertet, was einem damals minderjährigen zweiten Täter dennoch eine reale Haftstrafe von sechs Jahren einbrachte. Die Polizei hatte die Gruppe damals durch einen eingeschleusten Fahnders überführt und so eventuell weitere Anschläge verhindert. Nach Angaben eines Sprechers der Ermittlungsbehörde plante der Terror-Zirkel zu diesem Zeitpunkt noch zwei weitere Bombenexplosionen auf das „Kino-Haus“ während eines Filmfestivals und auf einen von Polizeischülern genutzten Bus. Bislang war nicht klar, ob die Anklage oder die Verteidigung das Urteil des Geschworenengerichts anfechten wollen.

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  • Veröffentlicht: 9 Jahren vor auf 19. Januar 2009
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  • Zuletzt geändert: Juni 15, 2009 @ 11:56 am
  • Rubrik: Aktuell

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