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Petersbürger Peter Schaller:“Ich werde meinen Urlaub in Russland verbringen“

Von   /  15. Januar 2009  /  1 Kommentar

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Russland gilt nicht als Traumposten unter Diplomaten – Peter Schaller hingegen wollte schon immer dahin, nur verschlug es ihn immer an andere Orte auf der Weltkugel. Seit September amtet er nun als neuer Generalkonsul in St. Petersburg, bestens vorbereitet und hochmotiviert, das Land, seine Leute und seine Kultur kennenzulernen.

Von Eugen von Arb

„Ich wurde oft gefragt, was ich denn falsch gemacht hätte, dass es mich an solche Orte verschlagen hat“, erzählt Peter Schaller schmunzelnd. Damit kommt er gleich auf seine diplomatische Laufbahn zu sprechen: Lomé (Togo), Peking (China), Havanna (Kuba), Pjöngjang (Nordkorea), Aschgabad (Turkmenistan), Praia (Kapverdische Inseln) und Kabul (Afghanistan) – Leute mit konventionellen Vorstellungen einer Diplomtenkarriere könnte eine solche Standortliste tatsächlich stutzig machen.
Doch damit ist Schaller gar nicht einverstanden: „Ich habe nichts falsch gemacht,“ entgegnet er überzeugt. „Als ich mich für diesen Beruf entschieden habe, war für mich ein wichtiger  Antrieb, dass ich die Welt kennen lernen wollte. Vielleicht waren es ein wenig exotische Posten, aber jeder war auf seine Art interessant.“

Die Welt im Aufbruch kennengelernt

Und gleich gerät er ins Schwärmen – erzählt von der Aufbruchsstimmung in China, wo er in den Achtzigerjahren Kulturreferent war und von der imposanten Persönlichkeit Fidel Castros, dem er als ständiger Vertreter des Botschafters in Havana begegnete. Als weiteres Land, das den politischen Wandel in Richtung Demokratie nach dem Kalten Krieg nicht vollzog, lernte er Nordkorea kennen, wo er die Interessenvertretung der Bundesrepublik Pjöngjang leitete.  „Ich war der erste westdeutsche Diplomat, der in dieser Stadt stationiert war – das war eine echte Herausforderung.“

Bezeichnenderweise wurden die Diplomaten der Bundesrepublik in der früheren Botschaft der DDR in Pjöngjang stationiert. 1993 kommt er für drei Jahre als Botschafter nach Aschgabad, die Hauptstadt Turkmenistans, das nach der Auflösung der Sowjetunion selbstständig geworden war. „Leider hat dieses Land, das über reiche Gas- und Ölvorkommen verfügt, seine Möglichkeiten nicht richtig genutzt“, meint er dazu. „Nach einem hoffnungsvollen Anfang in Richtung Demokratie, haben sich dort ein autoritäres Regime und ein Personenkult entwickelt.“

Bestens vorbereitet auf Russland

Zwar geriet Schaller immer wieder in das nahe Umfeld der einst sowjetischen Politsphäre – aber nach Russland selbst schaffte er es erst spät. Dabei hatte er sich während seiner Studienzeit (Soziologie, Psychologie und Pädagogik) das ideale Vorwissen angeeignet und sämtliche philosophischen Klassiker studiert, auf denen der Sozialismus basiert.

Er schloss mit dem Thema „Entfremdung und Marxismus“ ab und verlor nie das Interesse an Osteuropa. „An Russland faszinierte mich immer seine Brückenfunktion zwischen Europa und Asien“, so Schaller. In den Achtzigerjahren kam er zur Vorbereitung eines Besuchs von Bundespräsident Weizäcker nach Petersburg, und Ende der Neunziger unternahm er eine Schifffahrt auf der Wolga.

Sprachpraxis in Jasnaja Poljana, Nowosibirsk und Petersburg

2008 war es dann endlich soweit – als Vorbereitung auf seinen Posten in Petersburg begann er, Russisch zu lernen und eignete sich in Jasnaja Poljana, Nowosibirsk
und St. Petersburg Praxis an. Schon im vergangenen Frühling vor seinem Amtantritt reiste er nach Petersburg. „Ich habe sehr viel gelesen und bin fast jeden Tag durch die Strassen gezogen“, erzählt er begeistert. „Ich wollte immer nach Petersburg und nicht nach Moskau, weil man sich hier nicht auf das aussenpolitische Geschäft konzentrieren muss, sondern sich mit der Region und ganz konkret umsetzbaren Projekten beschäftigen kann.

Konzentration auf die Provinz

Neben den üblichen Aufgaben, möchte Schaller über die Stadtgrenze hinaus wirken. „Ich weiss, dass Grossstädte wie Petersburg für Russland nicht repräsentativ sind, darum möchte ich die Region so stark wie möglich einbeziehen“, erklärt er. „Ich möchte den ganzen Nordwesten Russlands kennenlernen, der immerhin die fünfache Grösse der Bundesrepublik hat, und regelmässig in die Provinzstädte reisen. Nowgorod Weliki beispielsweise hat sich zu einem richtigen regionalen Zentrum entwickelt – mittlerweile haben sich dort 28 deutsche Unternehmen niedergelassen“, führt er an.

Doch auch das übrige Russland will sich Schaller erschliessen, wenn nötig in der Freizeit – „Ich werde meinen Urlaub in Russland verbringen“, verkündet er lächelnd. Das Programm für den kommenden Sommer steht bereits fest: Ganz Westrussland von Nord bis Süd möchte er bereisen, und bestimmt sammelt er dann schon sein erstes Material für ein Buch über Russland. Denn Schaller liest und fotografiert nicht nur viel, sondern schreibt auch über seine Erfahrungen – schon zwei seiner Bücher über die Kapverdischen Inseln und Nordkorea sind erschienen.

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. realsatire sagt:

    Also Togo, China, Kuba, Nordkorea, Turkmenistan, Kapverdische Inseln und Afghanistan sind alles andere als langweilige Destinationen. Interessanter Weise rücken alle diese Länder in den letzten 10 Jahren mehr und mehr in den Fokus. Die kleinen CapVerden sind Spielwiese der Ölkonzerne, Turkmenistan ebenfalls ein „Rohstoffreich“ und mit fast ebenso verschrobenen bis (ex) kommunistischen Führern versehen wie Nordkorea oder Kuba.

    Fast alles Länder in der Liste haben auch spezielle Beziehungen und teilen sich eine gemeinsame Historie mit Russland. So wie sich das liest ist Herr Schaller nicht nur Diplomat sondern einer mit der „Hand am Arm“ kann also was „schaffe“ wie wir Schwaben so sagen und nicht nur am Diplomatischen Buffet glänzen. :-)

    Da kann ich wünschen das er seine Akzente auch in St. Petersburg auf den Boden bekommt. Alles Gute!

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