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23 Wohnungsschlüssel – Aufschlüsselung eines Mieterbetrugs

Von   /  22. Juli 2012  /  Keine Kommentare

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TOPTICKER. – An 23 Mieter gleichzeitig war im April dieses Jahres eine Wohnung im Petersburger Norden vermietet worden. Nach langwieriger Ermittlung wurde jetzt die zweite der beiden Betrügerinnen gefasst. Aufklärung einer Betrügergeschichte der Krimiklasse.

Dreiundzwanzig neue Mieter mit Schlüsseln

Fast zwei Dutzend Opfer eines Mietbetrugs rannten am 10. April dieses Jahres dem Polizeirevier Nummer 6 im Kalinskij-Rayon die Türen ein. Alle hatten sie sich um Punkt 10 Uhr vor einer Wohnung eingefunden, über die sie einen Mietvertrag abgeschlossen und deren Schlüssel sie erhalten hatten. Bei Abschluss des Mietvertrags hatte jeder der Mieter eine Anzahlung von 36.000 Rubeln, entsprechend zwei Monatsmieten, geleistet.

In der Wohnung hatten zuvor etwa zehn Tage lang Besichtigungen stattgefunden. Etwa 30 Leute waren gekommen, 23 davon hatte die Wohnung gefallen. Keine der Wohnungsinteressenten waren dabei aufeinander gestoßen. Sie trafen sich erst am Tag des Einzugs, in einer Situation, die den besten surralistischen Erzählungen Konkurrenz macht: alle dreiundzwanzig vor der Tür „ihrer“ neuen Wohnung, mit Wohnungsschlüsseln in der Hand.

Kripo überfragt

Die Mietverträge erwiesen sich schnell als gefälscht: die Person, die dort als Wohnungsinhaber angegeben war, war fiktiv, und die Telefonnummer, unter der die Mietinteressenten den Vermittler erreicht hatten, auf Touristen aus Kasachstan angemeldet. Die Verbindung mit einem ähnlichen Fall, der sich im Herbst 2011 ereignet hatte, scheiterte an der Unkooperativität der Petersburger Polizeireviere.

Die Polizisten des Reviers Nr. 6 suchten stattdessen die Immobilienagentur auf, die tatsächlich die betreffende Wohnung vermittelte. Dort stellte sich heraus, dass diese zwar wirklich vermietet worden war, aber an zwei Mädchen. Den Mietvertrag hatten diese humorvoller Weise am 1. April unterzeichnet. Auch die Angaben in diesem Vertrag führten aber auf keine tatsächlichen Personen.

Der Schlüssel zur Lösung des Falls

Den entscheidenden Hinweis fand erst der Leiter des Polizeireviers Aleksei Grigorev bei einer strengen Vernehmung einer Mitarbeiterin der Wohnungsagentur. Sie erinnerte sich schließlich, die zwei Mädchen in einer Filiale des Hyper-Markts „Okay“ getroffen zu haben, wo eine der beiden  an einem Sberbank-Automaten Geld abgehoben habe.

Von Datenschutz-Skrupeln wurden die Ermittlungen jedenfalls nicht aufgehalten. Das Bankinstitut stellte der Polizei ohne Umstände eine Liste von Kreditkartendaten und Videoaufnahmen der Kunden zur Verfügung, die am Tag des Vorfalls am betreffenden Automaten Geld abgehoben hatten. Allerdings war die Qualität der Videoaufnahmen so schlecht, dass sie vor der Verwendung erst von einem Video-Editor bearbeitet werden mussten.

Identifizierung einer der Täterinnen

Die Bearbeitung ermöglichte, auch zu erkennen, was hinter der abhebenden Person geschah. Nach zwei Tagen Video-Streaming fiel der Polizei in einem Video eine diffuse Gestalt im Hintergrund auf, die Ähnlichkeit mit der Immobilienagentin hatte. Die in diesem Video Geld abhebende Person wurde als Anastasia Revta identifiziert. Die 23-jährige Petersburgerin war allerdings unter der der Bank vorliegenden Adresse nicht aufzufinden.

Inzwischen wurde noch ein anderer Fall von Wohnungsbetrug bekannt. Eine Dame, die gerade einen Mietvertrag abgeschlossen hatte, hatte cleverer Weise ihren Sohn gebeten, sich noch einmal um die Wohnung zu bewerben – man vermittelte ihm die Wohnung tatsächlich noch einmal. Am 19. Juli wurde daraufhin die 25-jährige Anastasia Katz festgenommen, bei der man eine Liste der Betrugsopfer fand.

Wunderwaffe Vkontakte

Ihre Freundin Anastasia Revta wurde über das soziale Netzwerk Vkontakte gefunden und überführt. Ihr Profil war dort mit einer Immobilienseite, „Help17“, verlinkt, auf der sie Wohungvermittlungen anbot. Vom Provider der Seite konnten die Ermittler eine Adresse auf dem Grazhdanski-Prospekt erhalten,  bei der sie endlich Erfolg hatten.

Unter dieser Adresse fand die Polizei nicht nur die zweite im Bunde des 23-Wohnungsschlüssel-Falls. Sie fand außerdem ihren Mitbewohner, den 26-jährigen Michail Kabatschinow, der auch gesucht wurde – wegen eines weiteren Falls von Mieterbetrug im Primorskij-Rayon. Die beiden wurden festgenommen, ihre Akten werden jetzt geprüft. Ob das Netzwerk der Immobilienbetrüger in Petersburg damit endgültig zerschlagen ist, bleibt zu fragen. (ls)

www.fontanka.ru

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