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1917-2017 – die vergessene Revolution

Von   /  24. März 2017  /  1 Kommentar

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Von Eugen von Arb

Neben der „Ewigen Flamme“ auf dem Marsfeld, wo heute die Protestaktionen der Opposition stattfinden, steht ein einfacher Gedenkstein für die Opfer der Revolution – oder besser gesagt der Revolutionen. Dass es deren zwei gibt, wissen die wenigsten. Die meisten kennen nur die „Grosse Oktoberrevolution“ – und das ist kein Zufall. Während Jahrzehnten wurde die so genannte Februarrevolution von der Sowjetmacht ins

In diesen Frühlingstagen vor hundert Jahren setzte die streikende Arbeiterschaft zusammen mit den übergelaufenen Soldaten die Absetzung des Zaren Nikolai II durch. Für wenige Monate erlebte Russland die Ansätze einer Demokratie – trotz Chaos, Krieg, Fehlern und Mängel der provisorischen Regierung war es eine Zeit der Hoffnung für viele.

Doch der Schritt von der Monarchie zu einer bürgerlichen Demokratie war zu gross. Bevor die ersten Parlamentswahlen stattfinden konnten, rissen die Bolschewiki die Macht durch einen Putsch an sich und erstickten mit ihrer brutalen „Diktatur des Proletariats“ jegliche demokratischen Ansätze im Keim. Dieser Vorgang wurde fortan als „Grosse Oktoberrevolution“ verherrlicht.

An die eigentliche Revolution ein halbes Jahr zuvor sollte nichts mehr erinnern. Auch heute vergisst man sie lieber. Kein pompöser Gedenktakt, wie er zu wichtigen historischen Daten üblich ist, fand anlässlich der Februarrevolution statt. Die Oktoberrevolution eignet sich immer noch viel besser. Einerseits zur Verherrlichung der Sowjetmacht, die wieder sehr im Trend ist. Andererseits dient sie als abschreckendes Beispiel – niemand will eine Wiederholung des blutigen Umsturzes. Das wiederholt man in der Regierung von „Zar Putin“ nur allzu oft.

Gleichzeitig soll vergessen gemacht werden, dass es in Russland jemals ernsthafte Anstrengungen für eine parlamentarische Demokratie gegeben hat. Solche Ideen sind ebenso aktuell wie gefährlich für die heutige Nomenklatur. Auch heute ist die russische Zivilgesellschaft schwach und unentschlossen. Hinzu kommt, dass die westlichen Demokratien ihr ein denkbar schlechtes Beispiel vorzeigen. Hat sie eine Chance? Kann es in Russland Veränderungen ohne Gedenksteine geben?

Bild: Eugen von Arb/ SPB-Herold

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

1 Kommentar

  1. Lutz sagt:

    Die sogenannten Demokratien des Westens sind keine. Das Volk wird bei wichtigen Entscheidungen ausgeschlossen. Die Macht ist bei der reichen Klique. Die Armen werden ausgebeutet und betrogen. So was kann kein Vorbild sein.

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