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“Blogspähre Russland” – der Blick durchs Periskop im Meer der Meinungen

Von   /  10. Februar 2011  /  Keine Kommentare

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Der “Petersburger Herold” führt eine neue Rubrik ein – “Blogspähre Russland”. Damit wollen wir versuchen, ein wenig vom Mainstream der Themenwahl abzuweichen und tiefer in die persönliche Welt der Russen und ihren Alltag vorzustossen.


eva.- Der Blog müsste eigentlich in Russland erfunden worden sein, denn er ist der moderne Ersatz für jene “Küchengespräche”, bei denen in der Sowjetzeit jene Themen und Probleme abgehandelt wurden, die offiziell nicht existierten oder verboten waren.

Diese inoffiziellen Debatten finden heute im Internet statt – jenes Netz, dass einerseits die Distanzen zwischen den Bewohnern des riesigen Landes verkürzt und gleichzeitig beinahe unbegrenzte Möglichkeiten für Ideen und Kreativität bietet. Diese Freiheit wissen Russinnen und Russen zu nutzen.

Rund 17 Millionen BloggerInnen in Russland

An einer Konferenz zum Thema “Mediakratie in Deutschland und Russland”, die 2010 in Petersburg über die Bühne ging, schätzte der Hamburger Medienwissenschafter Siegfried Weischenberg die russische Bloggergemeinde auf 17 Millionen Schreiberinnen und Schreiber.

Da in Russland das Misstrauen gegenüber Obrigkeit und Behörden abgrundtief ist, haben Blogger vielfach eine Beobachterposition. Die Autorinnen und Autoren kommentieren und kritisieren das Geschehen, wobei das Versagen des Staats ein vorrangiges Thema ist – Korruption, Schlamperei, Bürokratie und Selbstbereicherung füllen die Schlagzeilen. Oft geschieht dies in einem scharfen Ton, der in anderen Ländern schon weit ausserhalb des Zulässigen liegen würde.

Die „Fünfte Gewalt“

Es ist sicher nicht falsch, die russische Bloggerszene als “Fünfte Gewalt” zu bezeichnen. Im Gegensatz zu Fernsehen, Radio und Zeitungen, die durch Lizenzen an den Staat gebunden sind, bietet das “lizenzfreie” Internet die grösste Freiheit punkto Meinungsfreiheit. Manche Themen finden in Blogs ein weit stärkeres Echo als in den herkömmlichen Medien.

Obschon sich russische Blogs vor allem durch ihren hohen Politgehalt deutlich von jenen anderer Länder unterscheiden, verbindet sie eine Gemeinsamkeit – sie sind riesiges Chaos. Ein Textberg, masslos, ungeordnet, unzensiert, durch den man sich wie ins Schlaraffenland “durchessen” muss (mit dem einzigen Unterschied, dass man auf der anderen Seite niemals ankommen wird).

Weder Über- noch Durchblick

Wir können darum in unserer Rubrik “Blogsphäre Russland” weder Über- noch Durchblick bieten. Wir beginnen auch einfach an einem Ende zu “essen” und brechen irgendwo mitten drin ab, sobald wir “satt” sind. Dabei sind wir auch auf die primitiven Gradmesser der Bloggerseiten angewiesen – zum Beispiel die “Hitparade” der meistgelesenen Blogschreiber.

Wir werden einerseits Themen aufgreifen und erklären und andererseits einzelne Blogschreiberinnen und -schreiber vorstellen. Platz soll es auch für Komisches und Lustiges geben. Vielleicht gibt Ihnen das eine oder andere Thema einen Denkanstoss – dann freuen wir uns auf ein Echo!

Weitere Artikel zu diesem Thema:

Deutsche Woche: Was haben Blogger in der deutschen und russischen Medienwelt zu suchen?

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Über den Autor

Eugen von Arb lebt in St. Petersburg, ist Co-Herausgeber der SPZ Online.

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